Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

203

ſich durch ſein Benehmen faſt deutlicher aus, als die Worte es zu thun vermocht hätten:„Gewinne ſie und führe ſie heim, lieber Junge, des Vaters Se⸗ gen ſoll dich begleiten.“ Harold bemerkte dieß wohl und fühlte deßhalb ſeinen Schmerz nur um ſo tiefer.

Nur wenige Minuten früher, als gemeldet wurde, daß aufgetragen ſei, erſchienen die beiden Schweſtern in Begleitung der Mrs. Mortimer im Salon. Eugenia, wie gewöhnlich, lächelnd und voll Freund⸗ lichkeit, ſo glänzend, wie die Edelſteine, die ſie trug, und wir brauchen nicht hinzuzuſetzen, eben ſo kalt und herzlos, wie dieſe, denn ſie hatte im Stillen den Kampf Bella's beobachtet, ſie hatte es mit an⸗ geſehen, wie die Blüthe der Geſundheit nach und nach auf deren Wangen erbleichte, und doch hatte ſie ſich nie verſucht gefühlt, die Worte auszuſprechen: „Sei frei; ich gebe dir dein Verſprechen zurück.“ Sie war viel zu ſelbſtſüchtig, ihren Stolz und ihre Laune zum Opfer zu bringen; denn von einer Leidenſchaft, welche Harold ihr eingeflößt hätte, konnte nicht die Rede ſein; er hatte nur ihre Eitelkeit, nicht aber ihre Gefühle verletzt. Bella lächelte matt, als ſie ihre Hand in die Harold's legte. Er fühlte, daß dieſe zitterte, ohne aber deßhalb neue Hoffnungen zu hegen, denn ſie hatte ſich gegen ihn zu deutlich ausgeſprochen. Das ſchöne Mädchen vermochte es nicht mit ihren Grundſätzen zu vereinigen, mit ihm zu kokettiren, wie es ihre Schweſter gethan hatte.

Wie bleich ſie iſt, dachte Harold, als er ihr den Arm bot, um ſie in das Speiſezimmer zu führen.

Er hat ſich ſehr verändert, ſprach Bella im Stillen zu ſich. Und ſie hatte Recht; es waren