Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

192

„Dieſer Richard muß ein höchſt tyranniſcher Menſch geweſen ſein,“ bemerkte Harold Trach,„und jetzt wundert mich auch das herzloſe Benehmen ſeines Sohnes gegen Sie nicht mehr.“

„Kannten Sie Ihren verſtorbenen Vetter?“ fragte der Doktor, ſich an den Hausherrn wendend.

„Er kam als ein ſchwaches, kränkliches Kind zu meiner Mutter,“ erwiderte Harry;„als Männer begegneten wir uns blos zweimal, und ich wünſchte am Kliebſten, unſer Zuſammentreffen gänzlich zu vergeſſen.“

„Dieß erklärt die Wegnahme des Portraits,“ bemerkte der Doktor.

„Welches Portraits?“ fragte Harry erſtaunt.

„Das, welches über dem Bücherſchranke hing.“ Zugleich deutete der Arzt mit dem Stock nach der bezeichneten Richtung hin.

Harry Burg ſchellte zweimal zum Zeichen, daß die Haushälterin zu erſcheinen habe. Mrs. Lawrence fand ſich auch ſogleich ein, indem ſie, in gewohnter Weiſe, langſam in das Zimmer geſchlichen kam. Zum erſten Mal fanden die beiden jungen Männer Gelegenheit, die Frau aufmerkſam zu betrachten, und ſie erſtaunten über die Marmorbläſſe ihres Geſichts, deſſen Züge ſtarr und kalt wie die einer Todten waren, wogegen ihr dunkles, forſchendes Auge ſeltſam abſtach.

„Iſt irgend eine Veränderung in der Einrichtung dieſes Zimmers vorgenommen worden?“ fragte der Hausherr.

„Ja wohl,“ erwiderte die Frau ruhig.

„Wurde ein Portrait weggenommen?“