240
Ungefähr vierzehn Tage nach den im voran⸗ gehenden Kapitel erzählten Ereigniſſen ſaßen zwei Damen in dem vornehmſten Gemach vom Gouverne⸗ mentsgebäude zu St. Sebaſtian; die junge Dame war offenbar unwohl— ſie lag auf einem Sopha. Ihre Begleiterin, welche beträchtlich älter war, ſchritt im Zimmer nicht in der freundlichſten Laune auf und ab. Beide waren in tiefer Trauer, und die niederge⸗ ſchlagene Miene der Kranken verrieth deutlich, daß ihre Gemüthsſtimmung ebenſo düſter war, als ihr Gewand.
Die ältere Frau war die Herzogin von Hurricane, die jüngere ihre Tochter, Lady de Clifford. Die Her⸗ zogin war in Folge der Nachricht von ihrer einge⸗ tretenen Wittwenſchaft und der hernach erfolgten ge⸗ fährlichen Krankheit ihrer Tochter von England an⸗ gekommen.
Es trat eine Pauſe von einigen Minuten in der Unterhaltung ein; endlich redete die Herzogin, ſtill⸗ ſtehend und ihre Jochter einen Augenblick betrach⸗ tend, dieſelbe alſo an:
„Ladh de Clifford, ich bin wirklich erſtaunt über Ihre fortdauernde Thorheit. Ich muß in der That darauf beſtehen, daß Sie dieſen Unſinn aufgeben. Der Antheil, den Sie an dieſem jungen Mann neh⸗ men, iſt ebenſo ſchmachvoll für Sie, als entwürdigend für Ihre Familie. Ich habe ſo weit Ihren Wünſchen nachgegeben, daß ich jede Erkundigung nach dieſem Mann geſtattete; und wäre es uns gelungen, ihn aufzufinden, ich hätte Nichts für zu hoch erachtet, und wäre es die Hälfte meines Vermögens geweſen, um ihn für den erwieſenen Dienſt zu belohnen; aber


