Es war ungefähr elf Uhr, als Bender ſtill mitten unter die Menge hereinſchlüpfte und ſeinem Gebieter einige Worte in's Ohr flüſterte. Roderich erblaßte ein wenig; aber ſich ſchnell faſſend, gab er ihm ein Zeichen, ſich zurückʒuziehen.
„Adele,“ ſagte er, ſich an die ſchöne Sirene wendend, die ihn zum Selaven gemacht hatte,„Sie können mir einen wichtigen Dienſt leiſten.“
Die Dame ſchien überraſcht.
„Es handelt ſich nur darum, daß Sie ſich in das Bibliothekzimmer begeben. Sie werden im Ve⸗ ſtibule einem Mann in Livrée begegnen, der Sie ohne Zweiſel fragt, ob Sie Mrs. Hoſtings ſeien. Antwotten Sie keck; ja und bringen Sie mir den Brief oder was er Ihnen ſonſt überliefert.“
„Gern,“ erwiderte das ſtrafbare Geſchöpf„iſt es möglich, daß die kalte, ſatyriſche Mabel Sie verräth?“
Roderich nickte zuſtimmend; dann erinnerte er ſie mit leiſer Stimme, daß keine Minute zu verlieren ſei.
Einen Augenblick nachher war er allein.
„Ah!“ dachte er,„die Intrigue verwickelt ſich. Sie hat die Zeit gut gewählt, um mit meinem Feinde ſich in Communication zu ſetzen. Sie hat Lord und
Lady Mountjoy eingeladen, um nich irre zu führen. Und ich war auf dem Punkte, mich von ihr berücken zu laſſen.“
Als die Obriſtin Montröſor zurückkehrte, ſah Roderich an ihrem funkelnden Auge, an ihrer ge⸗ ringſchätzig gekräuſelten Lippe, daß es ihr gelungen
war. „


