Teil eines Werkes 
6. Band (1860)
Entstehung
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des trete jede Handlung aus unſerer Vergangenheit lebhaft vor unſere Seele, und man könnte daran die Frage knüpfen, ob die Blätter des Buchs, auf welche der aufzeichnende Engel ſie niederſchreibt, in Wirklichkeit nicht die Tafeln unſeres Gedächtniſſes ſind. Wie verlockend es indeß auch ſein mag, hier⸗ über Betrachtungen anzuſtellen, wollen wir doch lie⸗ ber in unſerer Erzählung fortfahren.

Ein ähnliches Phantaſiebild mochte wohl den Geiſt der Lady Boothroyd beſchäftigen, als ſie, dem äuße⸗ ren Anſchein nach ruhig und unbewegt, da ſaß und dem klaren Vortrag des klägeriſchen Anwalts zuhörte. Ihr Leben zog wie in einem Spiegel an ihr vor⸗ über, und zum erſten Mal vielleicht ſtellte ſie die Frage an ſich, ob das Verbrechen ſie glücklich gemacht habe. Ihr Gewiſſen antwortete mit Nein. Außer dem Reichthum, der jetzt gleichfalls ihren Händen zu entſchwinden drohte, hatte ſich Alles, wofür ſie ge⸗ ſündigt, als nichtig erwieſen.

Das Schluchzen ihrer Tochter wurde peinlich hör⸗ bar. Sie fühlte bitter die Herabwürdigung ihrer Mutter.

Jedes Geſicht zeigte geſpannte Erwartung, als ſich der Rechtsfreund der Beklagten zur Erwiderung erhob.

Mein Lord, Eure Gnaden haben mit beiſpiel⸗ loſer Geduld den unterhaltenden Roman angehört, auf welchen zu antworten eine Verſündigung an Eu⸗ rer Gnaden koſtbarer Zeit wäre. Es iſt hier nicht der Ort, den ſo ſinnreich angegriffenen Ruf meiner geachteten Clientin zu vertheidigen. Ich bitte einfach Euer Gnaden, die Klage der Gegenpartie auf den