25
„Das Leben zitterte auf der Wagſchale.“
„Und habt Ihr je Furcht oder eine niedrige Ge⸗ ſinnung in mir bemerkt?“
„Nein.“
„Warum beargwohnt Ihr mich jetzt?“
„Der Sahib hat Recht,“ rief der Hindu, behag⸗ lich ſeinen Bart hätſchelnd,„und ich wäre eine Kafir, wenn ich Mißtrauen in ſein Wort ſetzen wollte. Bei allen ihren Fehlern ſind dir Frendſchis doch ver⸗ läßlich. Und wenn ich mich zum Bettler machen muß, um die Pferde zu beſorgen,“ fügte er bei,„wir wollen nach Delhi reiſen. Ihr werdet mir doch nicht entweichen?“
„Nein; Ihr ſollt Eure Bezahlung erhalten.“
„Wann?“
„Sobald wir vor Delhi anlangen.“
Der alte Mann war damit zufrieden, und es wurde ausgemacht, daß ſie in der nächſten Nacht die Reiſe antreten ſollten, um nicht den Streiſpartien des Raja zu begegnen, welche ſich noch immer in der Umgegend aufhielten, obſchon das Fort ihres Gebieters längſt zerſtört war.
Abſal entfernte ſich für den Reſt des Tages und kehrte in der Dunlelheit mit ein Paar Pferden zu⸗ rück, die er gekauſt zu haben vorgab, obſchon Whar⸗ ton vermuthete, daß ſie geſtohlen waren; auch brachte er eine Verkleidung für ſeinen Gefangenen mit, den bei einer Begegnung mit dem Feind ſeine Uniform ſogleich verrathen haben würde. Sobald die Me⸗ tamorphoſe vollbracht war, drängte der Engländer zum Aufbruch. Der Hindu hatte jedoch keine ſolche Eile, denn ſeine Habſucht konnte den Gedanken nicht


