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Ihr Geheimniß ſo treu bewahren wie mein Wohl⸗ thäter?“
„Er kennt es nicht.“
„Nicht?“ wiederholte Lillian erſtaunt.
„Ich bin ihm nur als Mr. Tyrrell bekannt. Unter dieſem Namen hat mich ein anderer ſeiner Correſpondenten, das Haupt des großen Hauſes Curry und Söhne, bei ihm eingeführt. Curry iſt der älteſte Freund meines Großvaters.— Und nun kennen auch Sie meine Geſchichte, Lillian. Daß ich ſie Ihnen nicht früher enthüllte, geſchah nicht aus Mangel an Vertrauen, ſondern auf Sir Charles Fourreau's Rath. Sie wiſſen jetzt, welcher Beweg⸗ grund mich an Calcutta feſſelt.“
„Er iſt zu heilig, als daß ein Wunſch oder eine Laune von meiner Seite ihm zu nahe treten ſollte,“ rief das edelſinnige Mädchen.„Ihre Pflicht ver⸗ langt, daß Sie bleiben und wo möglich den Ruf Ihres Vaters retten. Zwar werde ich Ihre Ab⸗ weſenheit um ſo ſchwerer empfinden, als die Gefahr, der Sie eben erſt entronnen ſind, nicht einmal den Namen Ihres geheimen Feindes enthüllt hat.“
„Ich erwarte in einigen Tagen die Ankunft eines lieben Freundes, der mich auf das Erſuchen meines Großvaters von England nach Indien begleitet hat.“
„Sie meinen Mr. Wharton?“
„Nein; den Lieutenant Marſh.“
„Seltſam,“ bemerkte Lillian.
„Warum dies?“
„Ich erinnere mich, ihn im Gouvernementsgebäude geſehen zu haben, und werde nie den eigenthümlichen Blick vergeſſen, mit dem er mich betrachtete.“


