Wildniß,“ verſetzte das Mädchen.„Mein Herz ver⸗ zehrt ſich dort.“
„Aus Liebe vielleicht?“ Für einen Augenblick bemerkte man an dem Alma⸗ mädchen eine leichte Aufregung; dann erhob ſie ihre dunklen Augen vorwurfsvoll zu dem Sprecher und erwiderte in gedämpftem Ton:
„Was hat die Eingeweihte Mereiatels mit Liebe zu ſchaffen?“
Der alte Mann nickte beifällig.
„Es iſt ſo; die Frage war unnöthig,“ ſagte er. „Strecke Deine Hand aus.“
Kehoda gehorchte. Er rieb ihre Handfläche und Finger mit den Blättern einer Pflanze, die er aus einem in ſeinem Gürtel befeſtigten Paket nahm.
„Haſt Du Glauben?“ fragte er.
„Ja,“ lautete die Antwort.
„So hol aus jenem Gefäß den Inhalt,“ ſagte der Bramine, auf eine in einer Ecke ſtehende Por⸗ zellanvaſe deutend.
Kehoda gehorchte und nahm zuerſt den Deckel ab.
In demſelben Augenblick kam der Kopf einer Brillen⸗
ſchlange über der Oeffnung zum Vorſchein; ſie hatte den Hals aufgeblaſen und ziſchte ſchrecklich. Das Mädchen aber faßte ſie ohne Zögern mit der Hand, worauf die Wuth der Schlalge ſich allmälig zu legen ſchien; denn obſchon Kehoda ſie nur leicht hielt, ver⸗ ſuchte ſie weder zu beißen, noch zu entwiſchen.
„Wos ſoll ich mit ihr thun?“ fragte ſie, ohne
eine Muskel zu verziehen oder Furcht zu verrathen.
Wahrſcheinlich wußte ſie, daß die Pflanze, mit der ſie
gerieben worden, ein wirkſames Schutzmittel war.


