29
Achtundvierzigſtes Kapitel.
Unſer Held mußte ſeine volle Selbſtbeherrſchung aufbieten, um nicht blos ſeine Ungeduld, ſondern auch den Abſcheu gegen die Berührung mit Gall zu bewältigen, in welchem er eines von jenen Unge⸗ heuern erkannte, die an den Leiden ihrer Neben⸗ menſchen eine Luſt haben. Nur die Eigenthümlichkeit ſeiner Lage hinderte ihn, ſein Herz zu erleichtern und dem Burſchen öffentlich ſein Benehmen vorzuhalten.
„Sie nehmen ja gar keinen Wein,“ ſagte Mr. Chutnee.
Unſer Held füllte ſein Glas und gab die Flaſche weiter, indem er bemerkte, daß er keinen Sinn für's Trinken habe.
„Ich fürchte, ſein Herz iſt abweſend,“ ſagte San⸗ ford boshaft, denn es machte ihm Spaß, die Eifer⸗ ſucht ſeines Dienſtherrn anzuregen.
Der Kaufmann begann eine unruhige Miene zu machen.
„Iſt auch bei ſeinem Alter ſehr natürlich,“ fügte der Capitän bei.„In meinen jungen Tagen war ich in jedes friſche Geſicht verliebt. Ich gebe mir die Ehre— auf Ihre Geſundheit, Mr. Tyrrell!“
Richard zwang ſich, der Einladung zu entſprechen.
„Sie antworten nicht auf die Beſchuldigung?“ bemerkte der Wirth mit einem matten Lächeln.
„Was ſoll ich auf ſolche Neckereien ſagen?“ ver⸗ ſetzte Richard.„Wenn ich einſylbig und langweilig bin, ſo haben Sie es Ihrem Gaſt zu danken.“
„Mir?“ entgegnete Capitän Gall erſtaunt.


