Teil eines Werkes 
4. Band (1860)
Entstehung
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Sechsundvierzigſtes Kapitel.

Zum Glück für die Heldin unſerer Erzählung war die Ehe von Sir Charles und Lady Fourreau nicht mit Nachkommen geſegnet. Zwar würde der Um⸗ ſtand, daß ſie eigene Kinder gehabt hätten, nichts an ihrem Entſchluß, die arme Waiſe zu beſchützen, ge⸗ ändert haben; aber er wäre doch ein natürliches Hinderniß geweſen, das ihr nicht geſtattet hätte, ſo ſehr ſich die Herzen des würdigen Paars zu gewin⸗ nen, daß dieſes zuletzt ſie für eine Tochter anſtht

Nach der Ankunft des Oberſten und ſeiner Ge⸗ mahlin in Calcutta wurde zuerſt für eine Gouver⸗ nante geſorgt, und Lehrer aller Art mußten zu der Erziehung des Pflegekinds mitwirken, deſſen glückliche Anlagen den Unterricht mehr zu einem Vergnügen als zu einem Geſchäft machten. Nie hatte es einen ildſameren Geiſt gegeben; er war eine von jenen üppig gedeihenden Pflanzen, die wohl der Pflege zugänglich ſind, aber nur eine anmuthige Form an⸗ nehmen können, mag man ſie biegen wie man will.

Sir Charles wurde allmälig ſtolz auf ſeinen Schützling und ſeine Gattin fühlte eine ſo uneigen⸗ nützige Freude an Lillians ſich entwickelnder Schön⸗ heit und an der Entfaltung ihres Geiſtes, daß die

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