Teil eines Werkes 
2. Band (1860)
Entstehung
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Frühſtück, eh er Lillian weckte. Er fand die Kleine zweimal mit gefalteten Händen vor ihrem Bett auf den Knieen liegend, und obgleich er nur eine unbe⸗ ſtimmte Vorſtellung von dem, was ſie that, hatte, ſo bemächtigte ſich doch ſeiner ein Gefühl von Scheu, und er ſchlich ſtill wieder hinunter, um ſie nicht zu ſtören. Als er ſie das dritte Mal in der gleichen Stellung antraf, beſchloß er, ſie über ihr Thun zu befragen.

Lilly, ſagte er, als ſie die Treppe herunter kam,was haſt Du eben gethan?

Mein Gebet geſpröchen, antwortete die Kleine, ob der Frage erſtaunt.

Und zu wem beteſt Du?

Zu Gott.

Wer hat Dich's gelehrt?

Mama, verſetzte ſie, und ihre Augen füllten ſich mit Thränen;ſchon vor langer Zeit.

Du mußt nicht weinen, rief der Knabe, indem er ſie küßte;ich will Dich nicht mehr deßwegen plagen.

Du plagſt mich nicht.

Nicht? Nun, iſt es nicht ſeltſam, daß Niemand mich beten lehrte?

Vielleicht haſt Du keine Mama gehabt, meinte Lilly unſchuldig.

Ich muß wohl eine Mutter gehabt haben, was wohl daſſelbe iſt, ſagte Jack;nur kann ich mich ihrer nicht mehr erinnern. Ich meinte, die Leute beten nur, wenn ſie in die Kirche gehen, und um das zu können, müſſe man ſauber gekleidet ſein. Du ſelber biſt nie dahin gegangen? fragte Lilly.