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er ſein Herz zum Zeugen für die Wahrheit ſeiner Behauptung auf; dabei verſuchte er eine ungemein ehrliche Miene zu machen.
„Mit dieſem Vertrauen möchte ich Euch nicht gerade behelligen,“ bemerkte die Dame trocken.
„Na, Marm, Sie hätten können. Doch bin ich bereit, Alles in Verwahrung zu nehmen; es iſt bei mir gut aufgehoben. Ich habe die beſten Zeugniſſe und kann—“
„Ich zweifle nicht,“ unterbrach ihn die Lady etwas ungeduldig.„Eure Verſicherungen ſind un⸗ nöthig, denn ich habe mich vollſtändig über Eure Perſönlichkeit unterrichtet, ehe ich mich dafür ent⸗ ſchied, Euch einen Auftrag zu geben.“
„Der Spitzbube Andrew hat mich ſchwarz ge⸗ macht,“ dachte Mike.„Noch dazu mein eigener Zwillingsbruder.“
„Ich wünſche zu erfahren, ob Ihr geneigt ſeid, ein Kind in Verpflegung zu nehmen.“
„Ein Kind,“ rief der Strolch mit gut geſpieltem Erſtaunen.„Das iſt nicht gerade meine Branche; aber wenn es nicht allzu jung iſt—“
Die Lady deutete auf Lillian.
„Ei, das iſt ein artiges Geſchöpflein,“ fuhr er in einem Tone fort, der ohne Zweifel recht ſanft und zärtlich ſein ſollte.„Komm' her, meine Liebe.“
Das Kind wich inſtinktartig vor ihm zurück und klammerte ſich an die Lady an.
„Leider iſt ſie illegitim,“ bemerkte die Letztere, „und kann nicht anerkannt werden. Auch fordert ihr ſtörriſches Weſen eine ſtrenge Zucht.“


