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Der Knabe verſprach Gehorſam. Rachel nahm nun die letzte Koſtbarkeit, ein Medaillon mit dem Haar ihres Vaters, aus einem kleinen Arbeitsetui und ſchickte ſich an, auszugehen, um es zu verkaufen. Die Hausmiethe wurde mit dieſem Tage fällig, und doch war für Deckung derſelben nicht ein Schilling vorhanden. Als die arme Frau dieſes Ueberbleibſel aus glücklicheren Zeiten betrachtete, traten ihr mit Macht die Erinnerungen an die Heimath und an die dort genoſſene Liebe vor die Seele; die Quellen des Gedächtniſſes und des Gefühls ſchloſſen ſich in glei⸗ cher Weiſe auf, und unter bitteren Thränen ſank ſie auf einen Stuhl.
„Weine nicht, Mutter,“ rief Richard, indem er die Arme um ihren Nacken ſchlang und ſie küßte; „ich kann's nicht mit anſehen.“
„Meine Thränen gelten Dir, Richard,“ verſetzte die Mutter.
„Mir?“
„Es wäre mein Tod, wenn Du der Verſuchung erlägeſt, dem Beiſpiel Deines ſchlimmen Kameraden folgteſt und wie er ein Dieb würdeſt!“
„Fürchte nichts, Mutter,“ erwiderte der Knabe, ſich ſtolz aufrichtend;„lieber will ich verhungern. Aber Dich— Dich kann ich nicht hungern ſehen,“ fügte er in ſchönem Gefühlsausbruch bei,„wenn es in meiner Macht liegt, es zu hindern.“
„In ehrlicher Weiſe,“ ſchluchzte Rachel:„ſage in ehrlicher Weiſe, Richard.“
„So meinte ich es natürlich,“ murmelte der Knabe. Beruhigter verließ die arme Frau das Haus, um ihre letzte Hilfsquelle zu verwerthen, und kehrte nach


