.
41
zu geben, daß dieſe Kenntniß nicht von ihrer ver⸗ ſtorbenen Gebieterin herrühre.
„Woher dann ſonſt?“ fragte die Waiſe über⸗ raſcht. „Es iſt die Gabe meines Stamms,“ erwiderte die Frau, eine directe Antwort auf die Frage ver⸗ meidend,„das Schickſal von denen, deren Züge wir geſehen haben, zu errathen.“
„Und das meinige?“
„Wird glänzend und ſtrahlend ſein, wie das Land, welches Ihnen das Leben gegeben hat, vor⸗ ausgeſetzt, daß Sie es nicht in dieſem düſtern Lande verderben laſſen, wo die Herzen kalt ſind und das Leben ohne Liebe iſt. In Indien,“ ſetzte die Amme, deren Augen bei der Erinnerung an ihr Vaterland ſich entzündeten, hinzu,„können Sie in Ihrer Schön⸗ heit herrſchen, wie ein Götterbild in ſeinem Tem⸗ pel, hier können Sie nur ein Daſein haben, wie ein gefangener Vogel in einem Käfiche.“
„Zara, ich darf dergleichen Worte nicht an⸗ hören.“
„Aber ich muß reden, auf die Gefahr hin, Sie gegen Ihre getreue Aya zu erzürnen. In Indien waren Sie das Licht Ihres Hauſes, hier ſind Sie eine Blume, welche in einer Wüſte verwelkt. Junge Herzen würden ſich an den Strahlen Ihrer Schön⸗ heit erwärmen, jedem Ihrer Blicke huldigen, nur in Ihrem Lächeln leben; hier haben Sie Niemand, der Sie liebt, außer der armen Zara.“
„Du vergiſſeſt meinen Oheim,“ ſagte die Waiſe.
„Die Todten lieben nicht. Wenn das Herz zu Aſche geworden, die Seele ohne Leidenſchaften iſt,
.


