Teil eines Werkes 
4. Band (1827)
Entstehung
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ſtrebte, und doch alles ſorgfaͤltig vermied, was ihren Gatten noch im Grabe mit Schande be⸗ laſten konnte. Waͤhrend ſie hiemit beſchäftigt war, machte ihr ein Nachbar Vorwuͤrfe, daß ſie alle dieſe Zeichen der Achtung und Licbe an das Andenken eines Mannes verſchwende, der ihrer innigen Neigung ſo wenig werth geweſen ſei.Theures Herz! theures Herz! erwi⸗ derte ſie,was wolltet Ihr, daß ich thun ſollte? Iſt iſt nicht ein Eid ein Eid? und ſchwor ich nicht am Altare, ihn im Boͤſen und im Guten zu lieben und zu ehren, bis der Tod uns von einander trennen wuͤrde? Nie gab ich die Hoff⸗ nung auf, ihn der Tugend und Religion wie⸗ der zu gewinnen, nie vergaß ich, daß er einſt ſanft, gut, und liebevoll war. Er war der Erſte, der mein Herz gewann, und ſoll er es nicht bis zum Ende behalten? Ach, Nach⸗ bar, Nachbar, koͤnntet Ihr die ganze Vergan⸗ genheit vor Euch ſehen, wie ich es jetzt thue, wie wir in dem kleinen Garten bei einan⸗ der ſaßen, und das Murmeln des Waſſers, das Rauſchen der Eſchen, der Geſang der Droſſel die Thraäͤnen rannen ihr uͤber die Wangen, indem ſie ſprach; ihr Nachbar ver⸗ mochte zwar nicht, ihren Kummer mitzufuhlen, aber er machte ihr doch wenigſtens keine Vor⸗ wuͤrfe mehr daruber.