Teil eines Werkes 
2. Theil (1844)
Einzelbild herunterladen

i

abendlichen Geſang. Rings umher war tiefe, feier⸗ liche Stille.

An dem einen Ende einer langen Allee erſchien ein junges Mädchen; ſie ſchritt langſam vor und blickte ſpähend nach allen Seiten; oft ſtand ſie ſtill und beugte den Kopf horchend vorüber. Bald darauf erſchien an dem andern Ende ein junger Mann in einfacher Tracht; er war augenſcheinlich ſehr gelaufen und trocknete den Schweiß von ſeiner Stirn. Als Beide ſich gewahrten, machten ſie ſich Zeichen und kehrten dann in größter Haſt des Weges zurück, den ſie gekommen.

Eine Viertelſtunde ſpäter luſtwandelte in der Allee eine überaus ſchöne Dame. Ihr ſittiges Errbthen zeigte, daß ihr Zartgefühl dieſen Spazirgang nicht billige, aber die Empfindungen ihres Herzens waren ſo innig, daß ſie zu ſchwach war, ſich denſelben zu verſagen. Je weiter ſie vordrang, deſto langſamer wurde ihr Schritt, und als nun gar nach einer Weile eine hohe männliche Geſtalt ihr gegenüber erſchien, machte ſie Miene, wieder umzukehren. Der Fremde war ihr ſchnell zur Seite: Wie danke ich Ihnen würdig für dieſen Beweis Ihres Wohlwollens, Miß Sara? Alle meine Gedanken, meine Empfindungen, meine Gefühle ſind Ihnen ſchon geweiht. Ich habe nichts mehr Ihnen zu geben.

Ihre Gaben, Sir, ſind ſo groß, daß ich mich