* —— Herzens durch das Gebet ſtillen wollte, oder weil ſie in ihrer Phantaſie alle jene furchtbaren Mög⸗ lichkeiten ſich ausmalte, welche das ſeltſame Ereigniß erklaͤren konnten, dem ſie erlag; ſie ſchien durchaus aller Verbindung mit den Dingen außer ihr entſagt zu haben.
Eudorius liebte Sylvien und Felir aufrichtig, ſo viel er nur irgend Jemand außer ſeinem Ich uͤberhaupt zu lieben vermochte. Er war daher allerdings ſehr betruͤbt und ſehr erſchrocken; allein der Schmerz um Jemand Anders vermochte doch nicht ihm ſeine eigene Bequemlichkeit und ſeinen Vortheil aus dem Geſichte zu rͤcken, und ſo ſehr er ſich üͤber die Gefahr ängſtigte, worin ſein Herr zu ſchweben ſchien, ſo war es ihm doch noch ſchmerzlicher, daß Sylviens Entſchluß ihn nöthi⸗ gen wuͤrde, fuͤr dieſe Nacht dem Abendeſſen und dem Bette zu entſagen; denn das ſahe er wohl ein, daß ſeine Pflicht es erheiſche bei ihr zu wachen. Er hatte auch wirklich neben ihr Platz genommen, und indeß ſie ſtets unbeweglich, verſchleiert und ſtumm blieb, recitirte er ihr, ohne den Muth zu verlieren, die ſchoͤnſten Stellen aus dem Seneca


