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Glöckchen und Schellen : heitere Erzählungen / von Heinrich Smidt
Entstehung
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Form mit einander verlobt ſind. Wechſelt die Ringe meine Kinder, und umarmt Euch; dann aber umarmt mich, Eure Mutter und ſpäter den Onkel da! So iſt die ganze Ceremonie erfüllt.

Wie gefällt Ihnen die Scene, mein Herr Neffe? fragte der Onkel den noch immer verſteinerten Emil. Fangen Sie endlich an zu begreifen, daß das Sprich⸗ wort: Wer Andern eine Grube gräbt, fällt ſelbſt hinein, ſich auch bei Ihnen bewährt? Ha! Ha! Ha! Armer Schelm, der Du einen Comödien⸗Onkel ſuchteſt und den rechten fandeſt. Hätteſt Du mich früher kennen zu ler⸗ nen getrachtet, wäre Dir dieſer Unfall nicht paſſirt. Die Goldſchmieds⸗Rechnung iſt übrigens quittirt. Jetzt aber laſſe gefälligſt das ſaure Geſicht fahren, gratu⸗ lire den Vetter und ſeiner ſchönen Braut, thue über⸗ haupt, wenn Du meinem Rathe folgen willſt, als hät⸗ teſt Du um Alles gewußt und meine Anordnungen gebilligt, denn ſonſt blamirſt Du Dich und wirſt aus⸗ gelacht.

Emil begriff, daß dies der einzige Ausweg ſei, ſich mit Ehren aus der Affaire zu ziehen und ging mit füßſau⸗ rer Miene an die Ausübung des ſchweren Geſchäftes. Als aber Alle luſtig durcheinander tobten und jubelten, zag er ſeinen Onkel beiſeite und fragte mit höchſt betrüb⸗ ter Miene:

Und was wird aus mir, den Geprellten?

Du haſt Deine tauſend Thaler, entgegnete der Onkel.Während Du ſie verzehrſt, haſt Du Zeit, nach⸗ zudeuken, ob Du zu mir auf's Land ziehen und dort lernen willſt, nützlich zu ſein. Anderen Falls überlaſſe ich Dich