wiederte die Graspelmann ſpitzig:„Ihr Oheim, der Schützen⸗Major, der backenbartfärbende Prinzenretter, iſt eben das Haupt der Rebellen und auf dem Rathhauſe wird das Complott geſchmiedet. Darum müſſen wir vorbeugen, Mesdames, wirkſam vprbengen und ich er⸗ mahne Sie, mit Ihren Rathſchlägen nicht zurückzuhalten.“
Und ſie thaten es auch nicht. Es kamen ſo viele Rache⸗ und andere Pläne zum Vorſchein, daß es einer Legion Frauen und einer Mandel Jahre bedurft hätte, um ſie zur Ausführung zu bringen. Nur die alte Wirthin des Hauſes ſchwieg. Sie ſaß in ihrem Seſſel, das Haupt auf die Seite geneigt, nachläſſig mit der Schnupftabacks⸗ doſe ſpielend, anſcheinend gedankenvoll und doch gedan⸗ kenlos, allmählich die verführeriſche Stellung einnehmeud, in welche man ſich kurz vor dem Beginne des Mittags⸗ ſchläfchens befindet. Als endlich die Damen, nicht aus Ueberzeugung, genug geſprochen zu haben, ſondern aus Erſchöpfung, ſchwiegen, erhob ſie ſich, wie von einem magne⸗ tiſchen Traume inſpirirt, und deutete mit einer Handbe⸗ wegung an, daß ſie zu ſprechen begehre. Alle horchten auf.
„Nicht mit Gewalt,“ ſagte die edle Herrin des Hau⸗ ſes,„ziemt es uns, den Feind zu beſiegen. Gewalt iſt Rohheit und dieſe beleidigt das zarte, leichtverletzliche Ge⸗ ſchlecht. Wir greifen zur Liſt und wir ſiegen.“
Alle, außer Johanna Bogenſenner, die ſchon einen Plan zur Bekämpfung ihres Oheims, des Schützenmajors gemacht hatte, klatſchten Beifall und Emerentia Gruben⸗ meyer fuhr fort:
„In demſelben Augenblicke, wo Jene damit umgehen, uns zu unterwerfen, müſſen wir ſie zwingen, ſich zu


