Druckschrift 
Glöckchen und Schellen : heitere Erzählungen / von Heinrich Smidt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

genden Gründe, das Waarenlager, das Wohnhaus und die Gärten cum pertinentiis auf eine faſt impertinente Weiſe. Sebaſtian, ihr jüngerer Bruder, der die Goldſtücke nur darum liebte, weil ſie ebenſo rein und harmoniſch klangen, als ſeine Verſe, ließ ſich mit einer anſehnlichen Baar⸗ ſumme abfinden und pilgerte, ſich reicher dünkend, als König Renée, mit einem Strauße am Hute, fröhlich ſingend aus der Philiſterſtadt, ſchüttelte den Staub von ſeinen Füßen und wanderte ſehnſüchtig in den blühenden Lenz hinaus. Aber er vermochte nur, den Lenz zu beſingen, nicht ihn zu feſſeln. Als er einem Leben voll Täuſchungen und Kümmerniſſen das früh ergraute Haupt zur Ruhe ſenkte, blieb ihm nichts, als das Kind ſeines Herzens, die einzige Blüthe eines kurzdauernden Lie⸗ beslebens.

Und dies Kind des Dichters war die reizende Louiſe, die in Tante Emerentia's Geſellſchaftszimmer das Kamin⸗ feuer ſchürte, die Falten in den rothſeidenen Gardinen möglichſt gerade ſtrich und die um den Zuckerkorb ſummende Fliege mit unermüdlicher Geduld 6 von Neuem zu verſcheuchen ſtrebte.

Ich helfe Ihnen, Couſine, rief lachend ein junger Mann, der den kriegeriſchen Namen Hektor führte und bei dem heimiſchen Stadtgericht das friedliche Amt eines Actuars verſah. Er gehörte im dritten oder vierten Grade zu der Sippſchaft der Grubenmeyer und hatte daher die Erlaubniß, an den Geſellſchaftstagen der Tante ſeine Aufwartung zu machen.

Gefangen! rief Hektor und ſah Louiſe an, die ver⸗ legen lächelte.Sie denken wohl, ich werde jetzt als

*