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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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Nun aber werdet Ihr mitſammen leben, lange und glücklich, ſchloß der Arzt.

Der Vater hielt den Sohn innig umſchloſſen. Skuld aber ſagte zu Ole Neen:

Das hat meinen harten und ſtarren Sinn erweicht. Mein Stolz iſt gebrochen. Vergieb, wenn ich mich oft über⸗ hob. Fortan bin ich Deine demüthige Magd.

Der ehrliche Burſche wußte nicht, wie ihm geſchah. Er drückte die Hand ſeines Mägdleins und ſein Herz ſchlug in frendiger Rührung.

Und als der neu erwachende Frühling über die See hinſtrich und ſie ſo freundlich anlächelte, daß die Eisblöcke zerrannen und die ſtürmiſchen Wellen ſich glätteten, hatte ſich Alles herrlich verändert. Das Orlogsſchiff war ver⸗ ſchwunden und hatte, der erhaltenen Ordre gemäß, die Brigg an einen Platz gebracht, wo die verdächtige Ladung unter den nöthigen Vorſichts⸗Maaßregeln gelöſcht werden konnte. Ole Neen hatte das Amt eines Quarantaine⸗Voigts erhal⸗ ten. Skuld, als ſein angetrautes Weib, erfüllte ihre Pflich⸗ ten mit herzgewinnender Freundlichkeit. Nach dem Garten hinüber fuhren ſie oft in müßigen Tagen. Dort lebten Jerta und ihr Gatte in ungetrübter Freude und der alte Herr war Zeuge ihres Glückes.