Druckschrift 
Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
Einzelbild herunterladen

306

gen. Dieſer aber blickte ſtill vor ſich hin und die Be⸗ ſinnung kehrte ihm erſt zurück, als auf dem Vorderdeck des Orlogſchiffes ein Schuß abgefeuert wurde. Zugleich entfaltete es die Königliche Flagge an der Gaffel und wies von dem Vortopp die bleichgelbe Peſtflagge. Das Letztere geſchah auch am Bord der Brigg.

Beide Schiffe lagen in der gehörigen Entfernung vor ihren Ankern. Das Orlogsbvot fuhr dem Strande zu.

Der Quarantaine⸗Voigt ging dem Offizier deſſelben ent⸗

gegen. Kaum aber hatte der Letztere zu ſprechen begon⸗ nen, als der alte Herr ſchwankte. Ole Neen war ſchnell zur Hand und ſagte zu dem überraſchten Offizier:

Kann mir denken, was geſchehen iſt. Ihr habt den Namen jener Brigg und den ihres Capitains genannt. Das iſt Herrn Osriks Vater. Nun wißt Ihr Alles.

Der Offizier begab ſich in ſein Boot zurück, nachdem er das Nähere verabredet. Der Sarg war keine Qua⸗ rautaine⸗Anſtalt mit Hoſpitälern und andern Einrichtun⸗ gen. Es war eine Station, weit von jedem Fahrwaſſer belegen, wohin man ſolche Schiffe wies, die den gewiſſen Tod am Bord hatten und wo ſie ſo lange unter der Aufſicht eines bewaffneten Fahrzeuges aushalten mußten, bis die Beſatzung wie durch ein Wunder genas, oder eine Beute des Fiebers wurde.

Ein gleiches Schickſal hatte der Offizier der Brigg vorhergeſagt. Der Quarantaine⸗-Voigt hatte es nicht mehr

gehört. Aber Ole Neen hörte Alles. Nur drei von