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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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Norwegen herüber, dieſe von Schottlands Geſtaden, und die Welle, die keck zu Euren Füßen aufbrandet, bringt Euch einen Gruß von Englands Kreidefelſen.

In einem der über das Eiland verſtreuten Dörfer, in dem lieblichen Weſterland, finde ich eine vorüberge⸗ hende Heimath. Ich wohne in einem der längs der Straße hingeſtreckten einſtöckigen Häuſer mit den hohen ſchmalen Giebeln in der Mitte, auf deren Spitze die Wetterfahne ſich kreiſchend dreht. Dieſe Häuſer, ſammt den daran ſtoßenden Gärten, von hohen Stein⸗ und Erd⸗ wällen umſchloſſen, ſind das Wahrzeichen des unantaſt⸗ baren Beſitzthums der Inſelfrieſen, in langer Reihe von dem Vater auf den Sohn vererbt.

Die ſorgende Freundeshand führt mich in meine Stube. Nein, das iſt keine Stube. Das iſt eine Kajüte. Der frieſiſche Seefahrer, wenn er von ſeinen jahrelangen Kreuzzügen heimkehrt, will die Erinnerung an ſeinen früheren Stand ſtets unmittelbar vor Augen haben. Darum ſind die Gemächer ſeines Hauſes wie kleine wohn⸗ liche Kajüten eingerichtet. Die hölzerne Decke derſelben wird von ſchweren Balken getragen, die auf den Seiten⸗ mauern ruhen. Dieſe, ſammt den Holzbekleidungen, welche bis zu einem Drittheil vom Fußboden ab die Wände hinanſteigen, ſind mit hellen Farben angeſtrichen. Der übrige Theil der Wände iſt mit weißen, glaſirten Fliefen belegt, die man Aſtern nennt, wahrſcheinlich, weil ſie in der Regel mit farbigen Sternen bemalt ſind, oder