218 Valentin Vor
Horace lächelte abermals, und rief, als Valentin noch einige ſolcher unſchuldiger Bemerkungen machte, endlich aus:
»Was glauben Sie denn, weshalb dieſe alten ehrwuͤr⸗ digen Herren hieherkommen? Bemerken Sie ihre luͤſternen Blicke nicht? Doch achten Sie jetzt einmal auf die, die ihre Familien im Hauſe haben. Was die fuͤr lange Ge⸗ ſichter machen werden! Wäͤhrend ſie wieder herum zu ih⸗ ren Frauen und Tochtern gehen, die vielleicht eben ſo ſchoͤn ſind, als dieſe Geſchoͤpfe hier, nehmen ſie wieder eine ſo
moraliſche Miene an, wie ein Uhu.«
In dem Augenblick klingelte es, Alles lief von der Buͤhne und der Vorhang ging auf. Wie Horace vorher geſagt, zogen die meiſten von den alten Herren ab, und da Valentin vollkommen genug geſehen hatte, um ſich zu uͤberzeugen, daß die Tugend keineswegs zu den charakteri⸗ ſtiſchen Eigenſchaften der Zuruͤckbleibenden gehoͤrte, war es ihm, als koͤnnte er der Geſellſchaft einen weſentlichen Nutzen ſtiften, wenn er ihnen eine ernſtliche Lection gäbe.
»Warten Sie auf mich in der Halle!« fliſterte er einem gichtiſchen Alten in das Ohr, als eine Nymphe hin⸗ ter ihm durch ſchluͤpfte, um auf die Buͤhne zu gehn.
»Ja, ja, mein Herzchen, ich werde warten!« ſagte
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