1. Scene⸗. 145
Mariane. O Iſabelle, liebe Iſabelle! Komm, kniee mit mir, hebe deine Haͤnde Empor, und ſage nichts! ich nur will ſprechen, Die beſten Menſchen haben ihre Fehler, 1 Wie's heißt, und der wird unter ihnen meiſt Der Beſte, der einmal ein wenig boͤſ⸗ war. So wird's auch mein Gemahl. O Iſabelle, Willſt du nicht mit mir knien? 7 Er ſtirbt um Claubio. 31 S fab elkle (niederkniend.) Mein guͤt'ger Fuͤrſt, o blickt auf diefen Mann, Den ihr verdammt, als lebe noch mein Bruder. Rechtſchaffen, duͤnkt mich, war ſein Thun, bis er Mich ſah; und da dem alſo iſt, ſo ſterb⸗ Er nicht. Gerechtigkeit ward nur geubt An meinem Bruder; denn er hatte das Gethan, wofuͤr er ſtarb. Was Angelo Betrifft, ſo ward ſein boöſer Vorſatz nicht Zur That; drum werde ſie auch als ein Vorſatz, Der anf dem Wege ſtarb, begraben. Denn Gedanken ſind nicht Thaten, und der Vorſatz Nur ein Gedanke. Mariane Ein Gedanke nur.
Herzog. Steht auf! Vergebens bittet ihr!— Mir fällt Ein anderes Verbrechen ein. Profoß! Wie kam es, daß in ungewohnter Stunde Man Claudio enthauptete? Naaß für Maaß. 7


