Teil eines Werkes 
11. Bändchen (1827) Die beiden Veroneser : Lustspiel / von Shakspeare ; frei bearbeitet von Meyer
Entstehung
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Furie. Hm, dumm! ich wollt', ich haͤtt' den Brief geleſen! Doch eine Schande wär's, rief ich ſie jetzt Zuruͤck, und noͤthigte ſie zu dem Unrecht, um deſſen Willen ich vorhin ſie ſchalt. Die Thoͤrin auch! Sie kennt mich; weiß es ja, Daß ich ein Mädchen, und empfindlich geht ſie Fort mit dem Briefe bei dem erſten Worte! Ach! Sittſamkeit gebietet Maͤdchen oft Zu manchem Nein zu ſagen, waͤhrend ſie Im Stillen wuͤnſchen, daß der Frager Ja Verſtehen moͤchte. Pfui! wie verkehrt Iſt dieſe Liebesthorheit! Kraßt ſie doch Die Amme, wie ein eigenſinnig Kind, Und kuͤßt dann wieder demuthsvoll die Ruthe! Wie barſch auch ſchalt ich die Lucette fort Und haäͤtte ſie gleichwohl ſo gern noch da! Wie furcht' ich nicht die Stirn vor Zorn und Aerger, Indeß mein Herz vor innrer Freude lachte! Doch ich will buͤßen. Augenblicklich ruf ich Lucetten wieder; bitten will ich ihr Das Schelten ab, ſie um Vergebung flehen. Lucette! Lucette kommt zuruͤck. nete Was befehlt ihr, Fraͤulein? uie Iſt es bald Eſſenszeit? Lucet te. Ich wuͤnſcht', es wäre, Damit ihr euch mit eurem Leller was Zu ſchaffen macht, und nicht mit eurem Maͤdchen. (Sie laͤßt den Brief fallen).