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Sz. 2. Cymbeline. 29
Nur kuͤſſen; Einen Kuß!— Rubinen himmliſch, Wie zart ſie ſchließen!— Ihre Athemzuͤge Durchwuͤrzen ſo den Raum: Das Licht der Kerze Beugt ſich ihr zu, und moͤchte lauſchen, unter Das Augenlied, zu ſehn verhuͤllte Sterne,
Jetzt von den Fenſtergattern zugedeckt:
Weiß und Azur umſaͤumt mit Himmelsdunkel. Allein mein Vorſatz?
Das Zimmer merken:— Alles ſchreib' ich nieder;— Gemaͤlde, die und die:— das Fenſter dort:— Des Bettes Umhang ſo;— Teppich, Figuren, Sind ſo:— dies der Geſchichte Stoff;— doch o! Nur ein natuͤrlich Merkmal ihres Leibes,
Mehr als zehntauſend niedre Dinge, wuͤrd' es Bezeugen, mein Verzeichniß zu bekraͤft'gen. Schlaf, Todesaffe, liege ſchwer auf ihr!
Und ihr Gefuͤhl ſey wie ein ſteinern Bild,
Das in der Kirche ruht!— Komm, komm hetäb.
Cer nimmt ihr das Armband ab.)
So ſchlupfrig, wie der Gord'ſche Knoten feſt! Mein iſt's, und iſt nunmehr ein aͤuß'rer Zeuge, So kraͤftig wie Bewußtſeyn innerlich,
Zur Raſerei den Mann zu treiben. Auf
Der linken Bruſt ein Mahl, funfſprenklich wie Die rothen Tropfen in dem Schooß der Primel. Beweis, hier guͤlt'ger als Gerichtsausſpruch: Dies Zeichen zwingt ihn daß er glaubt ich loͤſte Das Schloß, und raubte ihrer Ehre Schatz. Genug.— Was ſoll's?
Wozu noch ſchreiben, was geſchmiedet mir, Geſchroben ins Gedaͤchtniß? Sie las eben
Vom Tereus noch; das Blatt iſt eingelegt,
Wo Philomele ſich ergab;— genug:
Zuruͤck zum Schrein, die Feder ſpringe zu. Schnell, Drachenzug der Nacht!— Daß Daͤmmrung oͤffne Des Raben Auge: umſchließt die Stelle; Ruht hier ein Engel gleich, iſt dies doch Hoͤlle.
Cdie uhr ſchlägt.) Eins, zwei, drei.— Nun iſt es Zeit! Cer geht wieder in die Kiſte.)


