Sz. 5. Cymbeline. 13
ſo ſeyn, wie ſie Maͤnnern von Eurem Verſtand gegen einen Fremden von ſeinen Verdienſten ziemt.— Ich bitte Euch Alle, macht Euch naͤher mit dieſem Herrn bekannt, den ich Euch als meinen edlen Freund empfehle; ſeine Vortrefflichkeit moͤge ſich in Zukunft lieber ſelbſt kund geben, als von mir vor ſeinem Ohr geprieſen werden.
Franz. Herr, wir kannten uns in Orleans.
Poſth. Seitdem war ich Euer Schuldner fuͤr Artigkei⸗ ten, an denen ich ſtets abzuzahlen haben, und doch in Eurer Schuld bleiben werde.
Franz. Herr, ihr uͤberſchaͤtzt meine geringen Freund⸗ ſchaftsdienſte; es war mir lieb, daß ich Euch und meinen Landsmann verſoͤhnen konnte; es waͤre Schade geweſen, waͤ⸗ ret Ihr mit ſo toͤdtlichen Vorſaͤtzen zuſammen gekommen, wie Ihr ſie damals beide hattet, und wegen einer Sache von ſo leichter, unbedeutender Art.
oſth. Verzeiht mir, ich war damals ein junger Rei⸗ ſender; etwas ſtoͤrriſch, dem, was ich hoͤrte, eſteen und wenig geneigt, mich in jeglicher Handlung durch die Er⸗ fahrung anderer leiten zu laſſen; aber auch nach meinem rei⸗ feren Urtheil(wenn ich nicht prahle, es reifer zu nennen) war mein Zwiſt von damals doch nicht ſo ganz unbedeutend.
Franz. Wahrhaftig doch zu unbedeutend, um der Ent⸗ ſcheidung der Waffen unterworfen zu werden; und von zwei ſolchen Maͤnnern, wo, hoͤchſt wahrſcheinlich, einer vom an⸗ dern vernichtet oder beide gefallen waͤren.
Jach. Darf man, ohne Unbeſcheidenheit, fragen, was der Streit war?
Franz. Warum nicht? es wurde offentlich verhandelt, und mag drum ohne Anſtoß wieder erzaͤhlt werden. Es be⸗ traf einen Punkt, dem aͤhnlich, uͤber den wir geſtern Abend ſtritten, wo jeder von uns ſich im Lob der Damen ſeines Landes ergoß; dieſer Herr betheuerte damals(und zwar auf die Gewaͤhr, es mit ſeinem Blute zu beweiſen) die ſeinige ſey ſchoͤner, tugendhafter, weiſer, keuſcher, ſtandhafter und unverfuͤhrbarer, als irgend eine unſter auserleſenſten Damen in Frankreich.
Jach. Dieſe Dame lebt nicht mehr; oder der Glaube ſe Herrn iſt, was den Punkt betrifft, ſchwaͤcher ge⸗ worden.
Poſth. Sie behauptet noch ihre Tugend, und ich meine Meinung.


