366 Konig Lear. Gloſt. Ihr ewig gůt'gen Goͤtter, nehmt mein Leben, Daß nicht mein böſer Sinn mich nochmals treibt, Zu ſterben, eh' es euch gefälit. Edg. So betet Ihr trefflich, Vater!— Gloſt. Nun, mein Freund, wer ſeyd Ihr? Edg. Ein armer Mann, durch Schickſalsſchläge zahm, Der durch die Schule ſelbſtempfundnen Grams Empfaͤnglich ward fuͤr Mitleid.— Gebt die Hand mir, Ich fuͤhr' Euch in ein Haus. Gloſt. Von Herzen Dank; Des Himmels Huld und reicher Segen geb' Euch Lohn auf Lohn!— (Der Haushofmeiſter tritt auf.) Zaush. Ein Preis verdient: Willkommen!— Dein augenloſer Kopf ward darum Fleiſch, Mein Gluͤck zu gruͤnden. Alter Hochverräther, Bedenke ſchnell dein Heil: das Schwert iſt blos,
Das dich vernichten ſoll. Gloſt. So brauch mit Kraft
Die Freundeshand!
(Edgar ſetzt ſich zur Wehr.)
aush. Was, frecher Bauer, willſt du Vertheid'gen ſolchen Hochverraͤther? Fort!— Daß ſeines Schickſals Peſt nicht auch auf dich Anſteckend falle. Laß den Arm ihm los.
Eog. Will nit los loſſen Herr, muß erſt anders kumme.
Zaush. Laß los Sclav, oder du ſtirbſt.
Edg. Lieber Herr, gehn Eures Wegs und loßt arme Leut' in Ruh. Wann ich mich ſollt mit eim großen Maul ums Le⸗ ben bringen loſſen, da hätt ich's ſchun vor vierzehn Taͤg los werde kuͤnne. Kummt mer dem alte Mann nit nah; macht Euch furt, rath ich, oder ich will emohl verſuche, was ſtaͤrker is, Eu'r Hirnkaſte oder mei Knippel. Ich ſog's Euch grod' raus.
Zaush. Ei du Hund!—
Edg. Ich ward' Euch die Zähne ſtochern Herr: wos ſchiern mich Eure Finte!
(Sie fechten, und Edgar ſchlägt ihn zu Boden.)


