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Sz. 6. Koͤnig Lear⸗. 363
Blick' ich ſo ſtarr, ſieh, bebt der Unterthan.— Dem ſchenk' ich's Leben: was war ſein Vergehn? Ehbruch!—
Du ſoliſt nicht ſterben.— Tod um Ehbruch,—2— Nein! Der Zeiſig thut's, die kleine goldne Fliege,
Vor meinen Augen buhlt ſie.
Laßt Ueppigkeit gedeih'n— denn Gloſters Baſtard
Liebte den Vater mehr, als meine Tochter,
Erzeugt im Ehbett.
Dran Unzucht! Friſch auf, denn ich brauch Soldaten.— Sieh dort die ziere Dame,
Ihr Antlitz weiſſagt Schnee in ihrem Schooß;
Sie ſpreitzt ſich tugendlich und dreht ſich weg,
Hoͤrt ſie die Luſt nur nennen:
Und doch ſind Iltis nicht und hitz'ge Stute
So ungeſtuͤm in ihrer Brunſt.
Vom Guͤrtel nieder ſind's Centauren,
Wenn auch von oben Weib:
Nur bis zur Huͤfte wohnt der Gott: von unten
Ganz Teufel: dort iſt Hölle, dort iſt Nacht,
Dort iſt der Schwefelpfuhl, Brennen, Sieden, Peſtgeruch, PVerweſung,— pfui, pfui, pfui!— Pah! Pah!—
Gieb etwas Biſam, guter Apotheker,
Meine Phantaſie zu wuͤrzen! Da iſt Gold.
Gloſt. O laß die Hand mich kuſſen!—
Laß mich ſie erſt abwiſchen; ſie riecht nach Sterb⸗ ichkeit..
Gloſt. O du zertruͤmmert Meiſterſtuͤck der Schoͤpfung!— So nutzt das große Weltall einſt ſich ab Zu nichts. Kennſt du mich wohl?
Lear. Ich erinnere mich deiner Augen recht wohl: Blin⸗ zelſt du mir zu?— Nein, thu dein aͤrgſtes, blinder Amor; ich will nicht lieben. Lies einmal dieſe Herausforderung: ſieh nur die Schriftzuͤge!—
Gloſt. Waͤr'n alle Lettern Sonnen, ich ſaͤh keine.
Edg. Nicht glauben wollt' ich dem Geruͤcht; es iſt,
Und bricht mein Prze
Lear. Lies!
Gloſt. Mit den Augenhöhlen?
Lear. Oho, ſteht es ſo mit dir? Keine Augen im Kopf, kein Geld im Beutel?— Höhlten ſie dir die Augen und holten dir den Beutel? Doch ſiehſt du, wie die Welt geht!


