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Sz. 4. Koͤnig Lear. 337
(noch immer Ungewitter.)
Lear. Was, brachten ihn die Tochter in ſolch Elend? Konnt'ſt du nichts retten? Gabſt du Alles hin?—
Warr. Nein, er behielt ein Laken, ſonſt muͤßten wir uns
alle ſchämen.
Lear. Nun jede Seuche, die die Luft zur Strafe Der Suͤnder herbergt, ſturz' auf deine Toͤchter! Rent. Herr! Er hat keine Töchter!—
Lear. Ha, Tod, Rebell! Nichts beugte die Natur Zu ſolcher Schmach als undankbare Toͤchter.—
Iſt's Mode jetzt, daß weggejagte Vater So wuͤthen muͤſſen an dem eig'nen Fleiſch? Sinnreiche Strafe! Zeugte doch dies Fleiſch Dieſe Pelican Toͤchter.
Edgar. Pillicok ſaß auf Pillicoks Berg: Hallo, hallo, hallo!
Warr. Dieſe kalte Nacht wird uns alle zu Narren und Tollen machen.
Edgar. Huͤte dich vor dem boͤſen Feind: gehorch' deinen Eltern, halte dein Wort: fluche nicht; verfuͤhre nicht deines Naͤchſten verlobte Braut; ſtelle deine Sache nicht auf eitle Pracht;— Thoms friert!—
Lear. Was biſt du geweſen?
Edgar. Ein Verliebter, ſtolz an Herz und Sinn, der ſein Haar kraͤuſelte, Handſchuh an ſeiner Kappe trug, den Luͤſten ſeiner Gebieterin froͤhnte, und das Werk der Finſter⸗ niß mit ihr trieb. Ich ſchwur ſo viel Eide, als ich Worte redete, und brach ſie im holden Angeſicht des Himmels; ſchlief ein in Gedanken der Wolluſt und erwachte, ſie aus⸗ zufuͤhren; den Wein liebte ich kraͤftig, die Wuͤrfel heftig, und mit den Weibern uͤbertraf ich den Großtuͤrken: Falſch von Herz, leicht von Ohr, blutig von Hand: Schwein in Faul⸗ heit, Fuchs im Stehlen, Wolf in Gier, Hund in Tollheit, Lowe in Raubſucht. Laß nicht das Knarren der Schuhe, noch das Raſcheln der Seide dein armes Herz den Weibern verrathen. Halte deinen Fuß fern von Bordellen, deine Hand von Schuͤrzen, deine Feder von Schuldbuͤchern und trotze dem böſen Feind! Immer noch durch den Hagdorn ſauſ't der kalte Wind; ruft Summ, Mum:— Heinonino, Dauphin, mein Junge, Hurra! Laß ihn vorbei.
VI. 22


