326 Konig Lear.
Wenn ihr die Alten liebt, Eur milder Scepter Gehorſam heiligt, wenn Ihr ſelber alt ſeyd, Macht es zu Eurem Streit; ſprecht, zeugt fuͤr mich!— C(zu Goneril.) Schaͤmſt du dich nicht, auf dieſen Bart zu ſehn? O Regan! Jannſt du bei der Hand ſie faſſen? Gon. Warum nicht bei der Hand? Waos fehlt' ich denn? Nicht alles iſt ja Fehl, was Thorheit meint, Und Aberwitz ſo nennt. Lear. Ihr Sehnen ſeyd zu ſtarr, Noch reißt ihr nicht?— Wie kam der in den Block? Cornw. Ich ließ ihn ſchließen, Herr; doch ſeine Unart Verdiente mindern Glimpf. Lear. Ihr? Thatet Ihr's? Reg. Hoͤrt, Vater, da Ihr ſchwach ſeyd, ſcheint es auch. Wollt bis zum Ablauf Euers Monats Ihr Zuruͤckgehn, und bei meiner Schweſter wohnen dann. Halb Euren Zug entlaſſend, kommt zu mir. Ich bin jetzt fern vom Hauſ' und nicht verſehn, Wie es ſich ziemt, fuͤr Euern Unterhalt. Lear. Zuruck zu ihr? und funfzig Mann entlaſſen? Nein, eh'r verſchwoͤr' ich alles Dach, und lieber Setz' ich mich aus der Tyrannei der Luft, Und wiil Kam'rad mit Wolf und Eule werden. O ſcharfer Zahn der Noth!— Zuruͤck zu ihr? Der heiße Frankreich, der mein juͤngſtes nahm Ohn' Erbgut,— ha, ſo leicht zwaͤng' ich mich wohl, An ſeinem Throne knieend, wie ein Knecht, Ein aͤrmlich Brot und Jahrgeld zu erbetteln. Zuruͤck zu ihr?— Verlange lieber noch, Daß Sclav' ich werd' und Saumthier dieſem Schuft!— Gon. Wie's Euch beliebt. Lear. Ich bitt' dich, Tochter, mach' mich nicht verruckt! Ich will dir nicht zur Laſt ſeynz Kind, leb' wohl; Wir woll'n uns nicht mehr treffen, nicht mehr ſehn. Und doch biſt du mein Fleiſch, mein Blut, mein Kind; Rein, eine Krankheit ehr in meinem Fleiſch, Die mein ich nennen mußz biſt eine Beule, Ein Peſtauswuchs, ein ſchwellender Karfunkel In meinem kranken Blut. Doch will ich dich nicht ſchelten; Schaam komme, wenn ſie will, ich ruf' ihr nicht;


