Sz. 1. von Windſor. 23
Fr. Fluth. Entern, ſagſt du? Nun, ich weiß gewiß, ich will ihn immer uͤberm Deck halten.
Fr. Page. Das will ich auch: kommt er je unter meine Luken, ſo will ich nie wieder in See gehn. Wir muͤſſen uns an ihm rächen: wir muͤſſen ihm eine Zuſammenkunft beſtim⸗ men, ihm einen Schimmer von Hoffnung fuͤr ſein Begehren und ihn mit feingeködertem Aufſchub immer weiter locken, er unſerm Gaſtwirth zum Hoſenbande ſeine Pferde ver⸗ etzt hat.
Fr. Fluth. Ja, ich will die Hand dazu bieten, ihm jeden ſchlimmen Streich zu ſpielen, der nur unſrer Ehre nicht zu nahe tritt. Himmel, wenn mein Mann dieſen Brief ſahe! Er wuͤrde ſeiner Eiferſucht ewige Nahrung geben.
Fr. Page. Ei ſieh, da kommt er, und mein guter Mann auch: er iſt ſo weit entfernt von aller Eiferſucht, als ich ihm zu geben; und das, hoffe ich, iſt eine unermeßliche
uft.
Fr. Fluth. Um ſo gluͤcklicher Ihr!—
Fr. page Laßt uns einen Kriegsrath gegen dieſen fetten Ritter halten: Kommt hieher.
(ſie gehn in den Hintergrund der Bühne.)
(Fluth kommt mit Piſtol, Page mit Nym.)
Fluth. Nun, ich hoffe, es iſt nicht ſo.
Piſt. Hoffnung iſt oft ein Jagdhund ohne Spur: Sir John lockt dein Gemahl.
Fluth. Ei, Herr, meine Frau iſt nicht jung.
Piſt. Er wirbt um hoch und tief, um reich und arm, Um Jung und Alt, um Ein' und Alle, Fluth: Er liebt ſich Mengelmuß. Fluth, Augen aufi—
Fluth. Liebt meine Frau?—
Piſt. Mit Leber, heiß wie Glut. Wehr's ab, ſonſt lauf' Wie Herr Actaͤon, rings umklafft vom Jagdgebell;— — O ſchaͤndlich toͤnt das Wort!
Seet Was fuͤr ein Wort, Herr?
iſt. Das Horn, ſag' ich. Leb wohl. Hab⸗ Acht! die Augen auf! denn Diebe ſchleichen Nachts: Hab' Acht! eh Sommer kommt, und Kuckuck⸗Vögel ſingen.— Mir nach, Herr Corp'ral Nym!— Page, glaub' ihm, denn er ſuthe Piſtol geht ab.
Fluth. Ich will Geduld haben; ich werde ſchon dahinter
kommen.


