Teil eines Werkes 
Siebenter Theil (1832) Ende gut, alles gut
Entstehung
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378 Anmerkungen zum ſiebenten Bande.

gingen. Dieß iſt mit jedem Stuͤcke ſo geſchehn, daß es mir ſcheint, ich habe an Zeit eben nichts geſpart, ſondern nur das gewonnen, daß dieſe Pruͤfungen in feſter Ordnung in gewiſſen Stunden geſchahen, und ſo die Umaͤnderung und Verbeſſerung der Uebertragung vorruckte, die allerdings auf dieſem Wege Man⸗ ches, nach umſtaͤnden mehr und minder von mir erhalten hat. Die Ueberſetzung ſelbſt aber der meiſten Stucke ruͤhrt von meinem Freunde, dem Grafen Wolf von Baudiſſin her, der ſich ſeit Jah⸗ ren faſt ausſchließlich mit dem Studium Shakſpears beſchäftigt hat. Er iſt alſo nicht etwa ein junger Anfaͤnger, ſondern ein Kenner des Dichters und der Sprache. Schon im Jahre 1818 gab er eine ueberſetzung Heinrichs VII. mit ſeinem Namen her⸗ aus, die ich, mit Veraͤnderung von meiner Hand, in dieſe Fort⸗ ſetzung der Schlegelſchen Herausgabe Shakſpears aufgenommen habe. Von ihm iſt ebenfalls die Ueberſetzung des Troilus, wahr⸗ haft con amore uͤbertragen, Maaß fuͤr Maaß, die Widerſpen⸗ ſtige, wo die Sprache leicht und zierlich, der Irrungen, wo dem ueberſetzer die Anmuth und der Spaß vorzuͤglich gelungen ſind, Ende gut, Titus Andronikus, Viel Laͤrmen um Nichts und An⸗ tonius und Cleopatra. Der billige Kritiker, der Kenner des Dichters iſt und dieſen ſtudiert hat, wird ohne meine Lobpreiſung ſehn, wie viel in dieſen Arbeiten geleiſtet worden iſt, was nament⸗ lich fuͤr den hoͤchſt ſchwierigen Troilus und Antonius gethan iſt. Die Leichtigkeit der Irrungen iſt gluͤcklich dem Hriginal nachge⸗ ſpielt. Fertig ſind von dieſem fleißigen und genauen Ueberſetzer die luſtigen Weiber, Othello und Legr.

Ein anderer Ueberſetzer, der ſich nicht nennen will, hat mit meiner Huͤlfe den Coriolan uͤbertragen; eine ſchwierige Aufgabe; der männliche Ton, die Kraft des Ausdrucks ſcheint mir wuͤrdig nachgeahmt; Timon(die ſchwere heftige Sprache iſt nicht ohne Gluͤck wieder gegeben), die Veroneſer, auch hat dieſer das Wintermaͤr⸗ chen wie den Cymbelin vollendet. Dieſer hatte ebenfalls mit gro⸗ ßem Fleiß Viel Lärmen und die Widerſpenſtige uͤberſetzt: die ge⸗ lungenen Stellen ſind aufgenommen worden. Als Kritiker moͤchte ich dieſe Arbeiten loben, und indem manches von mir herruͤhrt, muß ich die beiden Freunde ohne Kritik entlaſſen, denn die Sache muß fuͤr ſich ſelbſt ſprechen. Daß die Arbeit nicht fluͤchtig und leicht⸗ ſinnig, nicht ohne Kenntniß der Sprache und des Dichters, ſon⸗ dern im Gegentheil mit unermuͤdlichem Fleiß, mit eriſtem Be⸗ ſtreben unternommen und ausgefuͤhrt iſt, das wenigſtens kann ich bezeugen. Dieſer Fleiß macht es moͤglich, daß bald nach die⸗ ſem ſiebenten Theile der achte erſcheinen Fann, der die luſtigen Weiber, das Wintermaäͤrchen, Othello güd Cymbelin enthalten wird. Zu Oſtern erſcheint dann der Ktzte Theil, mit welchem das Werk beſchloſſen iſt, und welcher Romeo, Macbeth, der Liebe Muͤh und den Lear enthaͤlt; die beiden letzten Schauſpiele wer⸗ den ebenfalls vom Grafen W. v. Baudiſſin übertragen.

L. Tieck.