Sz. 2. Die Comoͤdie der Irrungen⸗ 3¹9
3 weite Szene.
sinnM (Adriana und Luciana treten auf)
Adriana. So ſtuͤrmiſch, Schweſter, drang er auf dich ein? War dir ſein Aug' ein feierlicher Deuter? Warb er im vollem Ernſt? Ja oder Nein? Roth oder blaß? truͤbſinnig oder heiter? Sind dir im Kampf der Leidenſchaft erſchienen Des Herzens Meteor' auf ſeinen Mienen? Luc. Er ſprach zuerſt, dir bind' ihn keine Pflicht. Adr. Weil er ſie nie erfuͤllt: o Boͤſewicht! Luc. Er ſchwur, hier ſey er Fremdling ganz und gar. Adr. Da ſchwur er recht, obgleich es Meineid war. Luc. Fuͤr dich dann ſprach ich Adr. Und was ſagt' er dir? Luc. Was ich ihn bat fuͤr dich, fleht' er von mir. Adr. Mit was fuͤr Kuͤnſten wollt er dich verfuͤhren? Luc. Wars treu gemeint, ſo konnt' er faſt mich ruͤhren: Die Schoͤnheit ruͤhmt' er, dann der Rede Huld. Adr. Sprachſt du ſo huldreich? Luc. Bitte dich, Geduld! Adr. Die hab' ich fic will den Zorn nicht illen; Der Zunge mindſtens laß ich ihren Willen. Er iſt unfoͤrmlich, widrig, krumm und alt, Wuͤſt von Geſicht, von Koͤrper mißgeſtalt: Verderbt, unfreundlich, fern von aller Guͤte, Ruchlos im Thun, und mehr noch im Gemuͤthe. Luc. Kann Eiferſucht um ſolchen Mann uns plagen? Wenn er entfloh, ich wuͤrd' es nicht beklagen. Adr. Ach, Liebſte! dennoch duͤnkt er mich der Beſte; Saͤhn' ihn die Andern nur mit ſcheelem Blick! Der Kiebitz ſchreit nur wenn er fern vom Neſte, Schmaͤht gleich mein Herz erfleht ihm luͤck.


