28 Titus Andronicus. A. II.
Aaron und du, ſeht in die Hoͤhl' herab,
Und ſchaut ein graͤßlich Bild von Blut und Tod. Quint. Aaron iſt fort, und mein beaͤngſtigt Herz
Geſtattet meinem Auge nicht zu ſehn,
Was in der Ahndung ihm entſetzlich duͤnkt.
O ſag mir was es ſey, denn nie zuvor
War ich ein Kind, zu ſchen'n ich weiß nicht was.
Warc. Prinz Baſſianus liegt in Blut getaucht Am Boden da, wie ein geſchlachtet Lamm,
In der verfluchten dunkeln Gruft des Mords!— Wuint. Wenn's drinn ſo dunkel, wie erkennſt du ihn?
Marc. Am blut'gen Finger traͤgt er einen Ring Von ſeltnem Preis, der rings die Hoͤhl' erhellt,
Wie eine Kerz' in dunkler Todtengruft,
Auf ſeiner Leiche fahles Antlißz ſcheint,
Und zeigt der Grube ſcheußlich Eingeweide.
So bleich auch ſchien der Mond auf Pyramus,
Als er gebadet lag in Maͤdchenblut!
O Bryuder, hilf mir mit kraftloſer Hand,—
(Wenn Furcht dich kraftlos machte, ſo wie mich,—)
Der boͤſen Moͤrderhoͤhle zu entfliehn,
So graͤßlich, wie Cocytus truͤber Schlund.
Quint. Gieb mir die Hand, daß ich dir helf' emporz Und reicht die Kraft nicht aus dir beizuſtehn, Fall' ich wohl ſelbſt in dieſes tiefen Pfuhls Verhaßten Schooß, der Baſſian verſchlang.—
— Ich bin zu ſchwach, zum Rand dich aufzuziehn!— Warc. Und ich erklimm' ihn ohne Beiſtand nie! Quint. Nochmals die Hand: 8 laß dich nicht mehr
os,
Bis du hinaufſteigſt, oder ich hinab: Du kommſt zu mir nicht, ſo komm' ich zu dir!—— (er fällt in die Grube.)
(Saturninus und Aaron kommen.) Sat. Heran, mir nach: ich will die Hoͤhle ſehn, Und wer es war, der eben ſprang hinab:— Sag an, wer biſt du der ſich hier verbarg In dieſen gaͤhnend offnen Rachen: ſprich?— Marc. Des alten Titus jammervoller Sohn, Zu hoͤchſt unſelger Stund' hieher gefuhrt, Baſſianus, deinen Bruder, todt zu ſehn.


