Teil eines Werkes 
Sechster Theil (1831) Titus Andronicus
Entstehung
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18 Titus Andronicns. A. I.

(Es treten auf Chiron und Demetri us, einander drohend.)

Dem. Chiron, fuͤrwahr, Witz mangelt deiner Jugend, Salz dem Witz, Und Sitte, in mein Werben dich zu draͤngen, Wo Liebe mir vielleicht begegnen mag. Chir. Demetrius, dich thört dein eitler Sinn, Daß du mich willſt mit Hoffahrt uͤberſchrein! »S iſt nicht der kurze Abſtand eines Jahrs, Der mich zuruckſetzt, dich begluͤckter macht. Ich bin ſo ruͤſtig, ſo geſchickt wie du, Dienend der Liebſten Gunſt mir zu verdienen: Und das beweiſ⸗ ich dir mit meinem Schwerdt, Dirs darzuthun, ich ſey Lavinien's werth. Aar. He, Knittel, Knittel! Zwei Verliebte zanken! Dem. Was, Knabe? Weill die Mutter unbedacht Dir an die Seite ſteckt' ein Taͤnzerſchwerdt, Wirſt du ſo wild, und drohſt dem Bruder? Geh, Laß deine Latt' in ihre Scheide leimen, Bis du ſie beſſer erſt regieren lernſt! Chir. Nun, Freund, dann ſoll bischen Fechter⸗ un Dich gleich belehren, was mein Muth vermag. Dem. Was, Knabe! Schon ſo dreiſt? (ſie ziehn die Schwerdter.) Aar. Ihr Herrn, laßt ab: So nah des Kaiſers Hofburg wollt Ihr ziehn, Und ſolchen Zwiſt ausfechten vor dem Volk? Ich weiß recht wohl den Grund zu all' dem Hader: Nicht moͤcht' ich wuͤnſchen fuͤr'nen Berg von Gold, Daß die Euch hoͤrten, die's zunaͤchſt betrifft; Poch fuͤr weit höhern Preis moͤcht' Eure Mutter Sich ſo beſchimpft ſehn an des Kaiſers Hof. Schaͤmt Euch! ſteckt ein! Chir. Ich nicht: bis ich mein Schwerdt Getaucht in ſeine Bruſt; noch bis er ſchlang Zuruͤck in ſeinen Hals den ſchnoden Hohn, Mit dem ſein Mund entehrend mich geſchmaͤht. Dem. Dazu bin ich geruͤſtet und bereit. Zankſucht'ger Feigling! deſſen Zunge donnert, Und der das Eiſen nicht zu brauchen wagt! Aar. Fort, ſag' ich Euch! Nun bei dem Gott, zu dem die Gothen flehn,