Teil eines Werkes 
Fünfter Theil (1831) Coriolanus
Entstehung
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Sz.1. Maaß fuͤr Maaß. S

Gebt mir die Hand, und ſagt, Ihr ſeyd die Meine; Er iſt mein Bruder dann. Doch dieß fuͤr kuͤnftig. Lord Angelo ſieht alſo, daß er lebt; Mir ſcheint, ſein Aug' erglaͤnzt in neuer Hoffnung: Nun! Eure Suͤnde zahlt noch ſo ziemlich.

Liebt ja Eu'r Weib; ihr Werth giebt Werth dem Euern. Ich fuͤhle Neigung, allen zu verzeihn:

Doch jenem da, ihm kann ich nicht vergeben.

Ihr frecher Menſch, der weiß, ich ſey ein Narr,

Und feig' und liederlich, ein Thor, ein Toller:

Womit, ſagt an, hab ichs um Euch verdient,

Daß Ihr mich ſo erhebt?

Lue. Meiner Treu, gnaͤdigſter Herr, ich ſagte das nur ſo nach hergebrachter Modez wollt Ihr mich dafuͤr hängen laſſen, ſo mags geſchehn, aber ich ſaͤh' es lieber, wenn Ihr geruhen wolltet, mich durchpeitſchen zu laſſen.

Zerz. Zuerſt gepeitſcht, Herr, dann gehaͤngt.

Laßt es ausrufen, Schließer, durch ganz Wien: Hat wo ein Maͤdchen Klag' auf dieſen Burſchen, (Wie er mir ſelber ſchwor, daß Eine ſeh

Die ihm ein Kind gebar,) ſo melde ſie's,

Dann ſoll er ſie heirathen: nach der Hochzeit Staͤupt ihn, und haͤngt ihn auf.

Lue. Ich bitt' Euer Hoheit um alles, verheirathet mich doch nicht an eine Metze! Eu'r Hoheit ſagte noch eben, ich haͤtte Euch zum Herzoge gemacht: liebſter gnaͤdiger Herr, mir nun nicht damit, daß Ihr mich zum Hahnrei macht.

Berz. Bei meinem Wort, heirathen ſollſt du ſie.

Dein Schmaͤhn vergeb' ich, und was weitres du Verwirkt haſt, gleichfalls. Fuͤhrt ihn ins Gefaͤngniß, Und ſorgt, daß mein Befehl vollzogen wird.

Luc. Solch einen liederlichen Fiſch heirathen, gnaͤdiger

Herr, iſt erdruͤckt, erſtickt, gepeitſcht und gehaͤngt werden.

Zerz. Den Fuͤrſten ſchmaͤhn, verdients. Claudio, die Ihr gekraͤnkt, bringt ſie zu Ehren; Gluͤck Euch, Mariana! Liebt ſie, Angelo, Ich war ihr Beicht'ger, ihre Tugend kenn' ich. Dir, Escalus, ſey Dank fuͤr alles Gute; Ich bin auf beſſern Gluͤckwunſch noch bedacht. Dank, Schließer, weil du treu und ſorglich ſchwiegſt;