328 Maaß fuͤr Maaß. A. IM.
Iſab. Nein; nur ein Mittel, das, ein Haupt zu retten, erſpalten wuͤrd' ein Herz! ciaud? So giebt es Eins?— Iſab. Ja, Bruder, du kannſt leben.— In dieſem Richter wohnt ein teufliſch Mitleid: iüſt du dieß anflehn, wird dein Leben frei, Dich aber feſſelt er bis in dein Grab. Claud. Wie! Ew'ge Haft? Iſab. Ja, nenn' es ew'ge Haft; es war ein Zwang, Der, ſtuͤnd auch offen dir der weite Weltraum, Dich baͤnd' an Eine Qual. Claud. Von welcher Art?— Iſab. Von ſolcher Art, daß, wenn du eingewilligt, Du ſchaͤlteſt ab die Ehre deinem Stamm, Und bliebeſt nackt. Claud. Laß mich die Sache wiſſen! Iſab. O Claudio, ich fuͤrchte dich, und zittre, Du moͤcht'ſt ein fiebernd Leben dehnen wollen; Sechs oder ſieben Winter theurer achten, Als ew'ge Ehre. Haſt du Muth zum Tod?— Des Todes Schmerz liegt in der Vorſtellung; Der arme Kaͤfer, den dein Fuß zertritt, Fuͤhlt koͤrperlich ein Leiden, ganz ſo groß, Als wenn ein Rieſe ſtirbt. Claud. Weshalb beſchämſt du mich? Meinſt du, ich ſuche mir entſchloßnen Muth Ans zartem Blumenſchmelz? Rein, muß ich ſterben, Gruͤß ich die Finſterniß als meine Braut, Und druͤcke ſie ans Herz! Iſab. Das ſprach mein Bruder; Das war wie eine Stimme Aus meines Vaters Grab. Ja, du mußt ſterben!— Du biſt zu groß, ein Leben zu erkaufen Durch niedre Schmach!— Der außenheil'ge Richter,— Deß finſtre Stirn und tiefbedachtes Wort Die Jugend ͤnaſtiat, und die Thorheit ſcheucht, So wie der Falk die Taub',— iſt doch ein Teufel: Sein innrer Schlamm hinweggeſchoͤpft, erſchien' er Ein Pfuhl, tief wie die Hoͤlle. Claud. Der fromme Angelo? Iſab. Das iſt die liſt'ge Ausſtattung der Hoͤlle, Den frechſten Schalk verkleidend einzuhuͤllen
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