Teil eines Werkes 
Fünfter Theil (1831) Coriolanus
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Sz. 4. Maaß fuͤr Maaß. 325

Ergieb dich meiner gluͤhenden Begier, Weg ſproͤdes Weigern, zoͤgerndes Erroͤthen, Das abweiſ't was es wuͤnſcht: Kauf deinen Bruder

Indem du meinem Willen dich ergiebſt,

onſt muß er nicht allein des Todes ſterben; Ja, deine Haͤrte ſoll den Tod ihm dehnen Durch lange Martern. Antwort gib mir morgen: Denn, bei der Leidenſchaft, die mich beherrſcht, ch werd' ihm ein Tyrann! Und dir ſey klar, Sprich, was du kannſt; mein Falſch beſiegt dein Wahr.

Cgeht ab.) Iſab. Wem ſollt' ichs klagen! Wem ich dieß erzaͤhlte, Wer glaubte mirs? O gleißneriſcher Mund, Der mit der einen und derſelben Zunge Verdammniß ſpricht, und Billigung zugleich! Der das Geſetz nach Willkuͤhr ſchweigen heißt, Und kruͤmmt nach ſeinen Luͤſten Recht und Unrecht, Sich ihm zu ſchmiegen! Hin zum Bruder eil' ich; Und fiel er auch durch all zu heißes Blut, Doch lebt in ihm ſo reger Geiſt der Ehre, Daß haͤtt' er zwanzig Haͤupter hinzuſtrecken Auf zwanzig blut'ge Bloͤck“, er boͤte ſie, Eh ſeine Schweſter ihren Leib entheiligt In ſo abſcheulicher Entweihung. Ja, Claudio, ſtirb, ich bleibe keuſch und rein; Mehr als ein Bruder muß mir Keuſchheit ſeyn: Ich ſag' ihm noch, was Angelo beſchieden, Dann geh' er durch den Tod zum ew'gen Frieden. (geht ab.)