Teil eines Werkes 
Zweyter Theil (1825) König Heinrich der Fünfte
Entstehung
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12 oͤnig Heinrich V. A. I.

Wie Obrigkeiten, Zucht zu Hauſe halten,

Wie Kaufleut' andre auswaͤrts Handel treiben, Noch andre wie Soldaten, mit den Stacheln Bewehrt, die ſammtnen Sommerknoſpen pluͤndern, Und dann den Raub mit luſt'gem Marſch nach Haus Zum Hauptgezelte ihres Kayſers bringen; Der emſig in der Majeſtät, beachtet

Wie Maurer ſingend goldne Dächer baun,

Die ſtillen Buͤrger ihren Honig knäten,

Wie ſich die armen Tageloͤhner draͤngen

Mit ſchweren Buͤrden an dem engen Thor; Wie, muͤrriſch ſummend, der geſtrenge Richter Die gaͤhnende und faule Drohne liefert

In bleicher Henker Hand. Ich folgre dieß:

Daß viele Dinge, die zuſammenſtimmen

Zur Harmonie, verſchieden wirken koͤnnen,

Wie viele Pfeile da und dorther fliegen

Zu einem Ziel;

Wie viel verſchiedne Weg' in Eine Stadt,

Wie viele friſche Stroͤm' in Einen See,

Wie viele Linien in den Mittelpunkt

An einer Sonnenuhr zuſammenlaufen:

So, erſt im Gang, kann tauſendfaches Wirken Zu einem Zweck gedeihn, wohl durchgefuͤhrt

Und ohne Mangel. Drum nach Frankreich, Herr! Theilt euer gluͤcklich England in vier Theile: Ein Viertel nehmt davon nach Frankreich hin, Ihr koͤnnt damit ganz Gallien zittern machen. Wenn wir mit dreymal ſo viel Macht zu Haus Die eigne Thuͤr dem Hund nicht wehren können, So laßt uns zauſen, und dieß Volk verliere

Den Ruhm der Tapferkeit und Politik.

B. Zeinr. Ruft die vom Dauphin hergeſandten Boten. Einer vom Gefolge ab. Der Koͤnig beſteigt den Thron.) Wir ſind entſchloſſen, und, mit Gzottes Huͤlfe Und eurer(unſrer Stärke edlen Sehnen),

Da Frankreich unſer, wollen wir vor uns Es beugen, oder ganz in Stuͤcke brechen; Wir wollen dort entweder waltend ſitzen

In weiter hoher Herrſchaft uͤber Frankreich Und die faſt koͤniglichen Herzogthuͤmer;

Sonſt ruhe dieß Gebein in ſchlechter Urne Grablos, und ohne Denkmal uͤber ihm.