Sz. 2. Koͤnig Heinrich V. 9
Der Tochter Karlmanns, der von Kaiſer Ludwig Der Sohn war, ſo wie Ludewig der Sohn Von Karl dem Großen. Auch der zehnte Ludwig, Des Uſurpators Capet ein ger Erbe, Konnt' im Gewiſſen keine Ruhe haben 3it Bey Frankreichs Krone, bis man ihm erwies,
Daß Fſabell' die ſchoͤne Königin,
Von der er Enkel war in grader Reih,
Abſtamme von Frau Irmengard, der Tochter
Des vorerwaͤhnten Herzogs Karl von Lothring;
Durch welche Eh' die Linie Karls des Großen
Mit Frankreichs Krone neu vereinigt ward,
So daß ſo klar wie Sonnenlicht erſcheint;
Das Recht Pipins, und Hugo Capets Vorwand,
Und Ludewigs Beruhigung, ſie gruͤnden
Sich auf der Frauen Recht und Anſpruch alle;
Wie Frankreichs Koͤn'ge thun bis dieſen Tag,
Wiewohl ſie gern das Saliſche Geſetz
Behaupten moͤchten, Euer Hoheit Anſpruch
Von Frauen Seite damit auszuſchließen,
Und lieber ſich verſtricken in ein Netz,
Als die verdrehten Recht bloß zu legen,
Von euch und euren Vordern angemaßt. 0 i 3 R. Zeinr. Kann ich nach Pflicht und Recht die For⸗
n
Canterb. Die Suͤnde auf mein Haupt, geſtrenger Fuͤrſt!
Denn in dem Buch der Numeri ſteht geſchrieben:
Der Tochter ſey das Erbe zugewandt,
Wenn der Sohn ſtirbt. Behauptet, gnaͤd'ger Herr,
Was euch gebuͤhrt; entrollt eur Blutpanier,
Schaut euch nach euren mächt'gen Ahnen um,
Geht, Herr, zu eures Aeltervaters Gruft,
Auf den ihr euch mit eurer Fordrung ſtuͤtzt;
Ruft ſeinen tapfern Geiſt, und Eduards an,
Des ſchwarzen Prinzen, eures Großoheims,
Der dort auf Fraͤnk'ſchem Grund ein Trauerſpiel,
Die Macht von Frankreich ſchlagend, aufgefuͤhrt,
Indeß ſein großer Vater laͤchelnd ſtand ni
Auf einer Hoͤh, und ſeinen jungen Loͤwen
Sich weiden ſah im Blut des Fraͤnk'ſchen Adels.
O edle Engliſche, die trotzen konnten
Mit halbem Heere Frankreichs ganzem Stolz,
Und lachend ſtand dabey die andre Hälfte,
Ganz unbeſchaͤftigt und um Kampf verlegen.


