296 Koͤnig Heinrich W. 4. IV.
Erzb, Dann, Lord von Weſtmoreland, nehmt dieſen Zettel, Denn er enthaͤlt die ſaͤmmtlichen Beſchwerden. Wenn jeder Puntt hierin verbeſſert iſt,
All' unſre Mitgenoſſen, hier und ſonſt, Die dieſer Handlung angeſpannt,
Nach aͤchter guͤlt'ger Weiſe losgeſprochen,
Und ſchnelle Ausführung von unſerm Willen
Uns zugeſichert iſt, von unſerm Zweck,
So treten wir in unſter Demuth Schranken,
Und feſſeln unſre Macht im Arm des Friedens.
Weſt. Ich wills dem Feldherrn zeigen. Laßt uns, Lords, Im Angeſicht der beiden Heer' uns treffen,. Daß wirs in Frieden enden, wie Gott gebe,
Wo nicht, zum Ort des Streits die Schwerter rufen, Die es entſcheiden můſſen.
Erzb. Ja, Mylord.(Weſtmoreland ab.)
mowb. In meiner Bruſt lebt etwas, das mir ſagt,
Daß kein Vertrag des Friedens kann beſtehn. „Haſt. Das fuͤrchtet nicht; wenn wir ihn ſchließen können Auf ſo entſchieden ausgedehnte Rechte, 5 Wie unſern Forderungen es gemaͤß, So wird der Friede ſtehn wie Felſenberge.
Wowb. Ja, doch wir werden ſo geachtet werden,
Daß jede leichte falſch gewandte Urſach',
Ja, jeder eitle und ſpitzfind'ge Grund,
Dem Koͤnig ſchmecken wird nach dieſer That; Daß wuͤrd' auch unſre Treu zur Märterin, Man wird uns worfeln mit ſo rauhem Wind, Daß unſer Korn ſ wie Spren erſcheint, Und Gut' und Böſes keine Scheidung findet.
Erzb. Nein, nein, Mylord! bedenkt, der Koͤnig iſt So ekler, laͤppiſcher Beſchwerden ſatt.
Er fand, durch Tod den einen Zweifel enden, Das weckt zwey größre in des debens Erben. Und darum wird er rein die Tofeln wiſchen, Und keinen Klätſcher dem Gedächtniß halten, Der den Verluſt zu ſtetiger Erinn'rung
Ihm wiederhole; denn er weiß gar wohl, Saß er ſein Land nicht ſo genau kann jaͤten, Als ihm ſein immer Anlaß giebt.
o eng verwachſen ſind ihm Freund und Feind, Daß, wenn er reißt, den Gegner zu entwurzeln, Er einen Freund auch lof und wankend macht;


