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ſich ſelbſt im Originale nicht finden. Das Mißverſtandniß des dramatiſchen Dialogs iſt hier aufs hoͤchſte getrieben, und von der Grazie und Leichtigkeit des Britten jede Spur verſchuttet. Fleiß und Anſtrengung koͤnnen dergleichen auch nicht mit ſteifem Vorſatz erzwingen. Wie viel Preiswuͤrdiges dieſe edle Thaͤtigkeit auch in der Lite⸗ ratur und fuͤr die Alten geleiſtet haben mag, ſo iſt, wenn Kritiker uͤber das Maaß des Verdienſtlichen unter ſich ſtreitend abweichen moͤgen, der Shakspeare wohl geradezu eine mißlungene Arbeit zu nennen. Ganz im entgegengeſetzten Sinne hat ſich uns eine ſeltſame Erſcheinung hervorgethan, die ſonderbarſte, die irgend eine Literatur aufzuweiſen hat, und merkwuͤrdig nur darum, weil ſie bei unſern wankelmuͤthigen Lands⸗ leuten Gluͤck macht, wie man ſagt. Der uͤbereilte Ueber⸗ druß an wortlichen Ueberſetzungen hat ſich den verdor⸗
benen Gaumen an einer Freyheit wieder ſchaͤrfen wol⸗
len, die man dem großen Britten gegenuͤber, und mit dieſer Unfaͤhigkeit und Entbehrung aller Mittel, nur Frechheit nennen kann. Wollten Spanier, Italiäner und Englaͤnder die alten Dichter in anderer Sprache reden laſſen, ſo waren ſie Kenner des Gegenſtandes, und waͤhlten die neueren Versmaße, weil die alten ihnen unzugänglich waren, erweiterten, modifizirten, und ließen das in Reimen und Wohllaut verſtandlich wiedertoͤnen, was dem Ungeweihten im Munde der Alten unverſtaͤnd⸗ lich war. Niemals aber konnte es die Abſicht ſeyn, die Dichter umwandeln und entſtellen zu wollen. Sagt Leſ⸗


