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Novellen / von Fr. Seybold
Entstehung
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der Jugend und Schönheit. Wie ſüß war die weiche Sprache der Griechen in ihrem Munde, wenn ſie die Korallenlippen öffnete und die blendendweißen Zähne zeigte! Rudolph

machte ſich ihr durch Zeichen und einzelne

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Worte verſtändlich. Acht Tage verſtrichen ihm in der Höhle wie ein Augenblick; Nachts gin⸗ gen ſie heraus und ſuchten Früchte zu ihrer Rahrung. Ohne Ziererei, in vertrauensvoller Unſchuld, ſtreckte ſich die Jungfrau neben ihm auf das Moos; er betrachtete, in dem Halb⸗ dunkel der Grotte, die ſchöne Schlafende, und glaubte Venus auf Paphos ſchlummernd zu er⸗

blicken. Da pochte ſein Herz und drohte ſeine

Bruſt zu ſprengen welcher Sterbliche wäre hier nicht unterlegen! Arglos gab ſich ihm das Griechenmädchen hin, und er ſchwur in ſeinem redlichen deutſchen Herzen, daß ſie ſein Weib ſein ſollte. Als man die beiden Flücht⸗ linge in ihrer Grotte entdeckte, war die erſte Mordluſt der Türken bereits geſättigt, und ſie wurden vor den Paſcha geführt. Unſer Held wies ſich als Franke aus, und wurde unter