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ſchaffen, in unnoͤthiger Sorge, ſo lange moͤglich, mit der Ruͤckreiſe, welche ihn daher erſt ziemlich ſpit: wieder heim brachte.
Der Bruder, den das Mißverhaͤltniß zu der gelieb⸗ ten Schweſter ſchmerzlich druͤckte, hatte unterdeſſen wie⸗ der Gelegenheit gewonnen ſich ihr zu nahen, um we⸗ nigſtens ihr Rede abzugewinnen, doch nur nachdem er alles Vorgefallene ſelbſt ihr mitgetheilt und ſie darin die volle Beſtaͤtigung der Erzaͤhlung ihres wilden Freundes gefunden hatte, ohne dagegen irgend etwas ihm zu ent⸗ dekken, weil ſie davon die verderblichſten Folgen voraus⸗ ſehen mußte.
Es war ihr nun leicht, ihn das Unbillige und das Unedle, ja, das ganz Raſende eines ſolchen Verfahrens
erkennen zu machen, in ſo ferne auf ſolchem Wege Ehre
nicht gerettet, ſondern nur verlohren werden koͤnne und ſo gelang es ihr den Bruder zu beſtimmen, die Hand zum Frieden, als der Beleidiger, zu bieten und es in die Wahl des Fremden zu ſtellen, ob er die Ankunft des Barons erwarten, oder ſofort ſcheiden wolle, wenn gleich, wie ſie voraus ſah, Jener allemal auf den Kampf beſtehen werde. Da ſie aber der Ueberzeugung ſich nicht erwehren konnte, von ihm geliebt zu ſeyn und nur von ihm mißverſtanden zu werden, ſo konnte ſie unmoͤglich die Hoffnung aufgeben, es werde ihr gelingen, we⸗ nigſtens ſpaͤter, wenn die Ruhe wieder bey ihm ein⸗


