Teil eines Werkes 
3. Theil (1835)
Entstehung
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Oidors der hochmächtigen Audiencia, war von ſchlankerer Taille und gewölbterem Buſen. Auch ſie hatte etwas dickere Lippen, als nach unſern Schönheitsbegriffen nöthig; aber dieſe Lippen öffneten ſich ſo lieblich, und die Oberlippe zog ſich ſo anmuthig zurück, um eine Reihe von Perlen⸗ zähnen zu zeigen, das Auge, obwohl gleichfalls nicht tief genug liegend, funkelte ſo feurig, ſie rauchte ihre Pa⸗ quitta*) allerliebſt. Laura, die jüngſte der Töchter des Vicepräſidenten der Hacienda Real, hatte ein lieblich

rundes Kinn und derlei Wangen. Alle drei aber erfreu⸗ 3 ten ſich der kleinſten Füße, der niedlichſten Hände, der 1 1 ſchwärzeſten Augen, und herrlichen Woodville⸗Cigarren,

nebſt einer erſchrecklichen Langweile. Dieſer zu entgehen waren die armen Mädchen, die in der Adlergaſſe, der faſhio⸗ nablen ſpaniſchen Straße wohnten, und durch den Grito, und die nach Hauſe kehrenden Volkshaufen, um ihre Sieſta gebracht worden waren, mit ihren Negermädchen gekom⸗ men, um ihrer Freundin Iſidra einen Beſuch abzuſtatten.

Dieſe Freundin Iſidra, überließ ſich ſo eben dem mexikaniſchen far niente.

Der Mirador, auf dem die Mädchen lauſchend und rauchend lagen, ſtand mittelſt zwei hoher Flügelthüren mit der Sala in Verbindung. Das obere Ende dieſer Sala bildete die ſogenannte Estrada, der erhabene Platz, auf dem ſich eine Ottomane befand, und auf dieſer

*) Eine Papier⸗Cigarre.