Teil eines Werkes 
1. Theil (1835)
Entstehung
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Das iſt eine ſchlimme und wieder eine tröſtliche Nachricht, ſprach der Graf in tiefem Nachdenken,eine ſehr ſchlimme und eine ſehr tröſtliche Nachricht. Fürchte nichts, Carlos, für die Nina, fuhr er mit bewegter Stimme fort, und ſein Blick fiel wieder auf die Leidende; ſo ſehr ſind unſere häuslichen Leiden mit denen unſeres Volkes verwoben, daß nur die gänzliche Geneſung des letztern unſern Jammer vollends heben kann. Ja, theurer Carlos, das Leiden deiner Schweſter iſt mir nun Labſal geworden; denn es wendet meinen wahnſinnigen Blick we⸗ nigſtens für einige Zeit von dem Elende meines Vater⸗ landes ab; es iſt Zerſtreuung.

Gott! was ſind wir für Menſchen, die hier noch Zerſtreuung ſuchen müſſen. Hermanna Clvira!*) flü⸗ ſterte er der jungen Gräfin zu, auf die er zueilte und ihr einen Kuß auf die Lippen drückte.

Das liebliche Kind öffnete wieder die Augen und ſah den Bruder mit einem troſtlos⸗wehmüthigen Blicke an. Ay de mi,***) lispelte ſie;Ay de mi, wiederholte ſie, und ſchaudernd, wie gerüttelt vom Fieberfroſte, ſchrak ſie wieder zuſammen.Perdon a mia estrella, bat ſie, Perdon Hermanno!***), und dann hob ſie ihre Hände bittend und entſchlummerte.

*) Schweſter Elvira. **) Er iſt fort! sr) Vergebung meinem Sterne! Vergebung, Bruder!