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du deine Heimath, um in einem fremden Lande den Phan⸗ tomen deines ſelbſtſüchtigen Ehrgeizes nachzulaufen.“
„Mani!“ rief eine ſchluchzende Stimme, und die liebliche Condeſſa ſchwankte zur Thüre herein, ihr thrä⸗ nenſchweres Antlitz in die Mantilla verhüllt, bebend und zitternd, ihre verweinten Augen wehmüthig auf den Jüngling geheftet. Ihre ſtockend ſchluchzende Stimme vermochte bloß abgeriſſene Laute hervorzubringen. Un⸗ ſchlüſſig ſchwankend, ihre Hände kindlich auf dem Buſen gefaltet, ſchluchzte ſie„Mani! Mani!“ wie ein nahen⸗ der Engel aus höhern Sphären.„ Mani! ſo willſt du uns und unſer armes bedrängtes Mexiko verlaſſen? Mani, um der fünf Wunden! der heiligen Jungfrau willen! Mani! Mani! O gedenkſt du noch jenes feierlichen Schwures, den deine Zunge vor nicht ſechs Monden auf der Höhe von Oaxaca im Angeſichte Gottes und der bei⸗ den Ozeane ausſprach, des feierlichen Schwures, du würdeſt ganz Mexikaner ſein? Und du willſt Mexiko verlaſſen? Mani! Mani!“
Der Jüngling ſtand ſprachlos.
„Mani,“ bat ſie, ihre Hände ihm bittend entge⸗ genſtreckend,„„Mani bleibe bei Tio! Bleibe in unſerm armen bedrängten Mexiko! Bleibe!“ rief ſie, ihre Arme faltend. Das leichte Rauſchen, das ihr ſeidenes Nacht⸗ gewand verurſachte, ſchreckte den Jüngling plötzlich aus ſeinen Träumen. Er blickte ſie einen Augenblick ſtarr an,


