— 28—
Es war ſechs Uhr, als ich mit Richard in das Dra⸗ wingroom meiner künftigen Schwiegermama eintrat. Die gute Dame hatte mich beinahe erſchreckt in ihrem nagel⸗ neuen, ſo eben mit dem Henri IV. angekommenen grauen, Gaze⸗Turban, der ihr das Anſehen einer un⸗ ſerer Miſſiſippi⸗Nachteulen gab. Auch Richard ſchrak ſichtlich zurück, und der gute Moreland ſchaute ſo ſtarr nach dem hehren Kopfputze hin, als wäre er ein Ziffer⸗ blatt geweſen. Miß Margareth im grün ſeidenen Kleide, die Haare glatt zu beiden Seiten der Stirne hinabge⸗ kämmt à la Margarethe,— wir haben eine eigene Mo⸗ denphraſeologie— war, wie die Tochter Jephtas, blaß und reſignirt; ein leichtes Zittern bebte durch die an⸗ ziehende Geſtalt, und in ihrer Begrüßung war ſüßer Schmerz und ſchmachtende Sehnſucht nach dem fernen Geliebten unverkennbar. Der Abſtand war allerdings grell zwiſchen dem fünfzigjährigen Moreland, der kalt und zäh und breit und roth da ſaß, und dem windigen Staunton, der von Auſtern und Roſinen lebte, und ſich höchſtens in Bullwer's Novellen betrank. Ich hatte dem zarten, ſo eben beſchriebenen Gebilde die Tales of my Grandfather¹ mitgebracht.
1) Tales of my Grandfather, Erzählungen eines Großbaters, von Sir Walter Scott.


